Ruhpolding – Mit den Interviews kurz nach dem Rennen hatte Roman Rees überhaupt nicht gerechnet. Während seine etablierten Kollegen stets Ersatzkleidung dabei haben, um sich bei ihren Medienauftritten nicht zu erkälten, musste der 24-Jährige im durchgeschwitzten Dress Rede und Antwort stehen. Umständehalber fasste er sich kurz, aber es war Rees anzumerken, dass ihm nicht unangenehm war, plötzlich ein gefragter Mann zu sein. Vierter war er geworden im Ruhpoldinger Einzelrennen: seine mit Abstand beste Karriere-Platzierung im Weltcup und die Quali für die Winterspiele in Südkorea. „Olympia – das war für mich ein riesiges Karriereziel. Das ist schon etwas Außergewöhnliches, ein genialer Tag“, sagte er.
Das kann man wohl sagen. Schließlich war der 24-Jährige in diesem Winter überwiegend nur im zweitklassigen IBU Cup zum Zuge gekommen. In Ruhpolding bestritt er erst sein drittes Saisonrennen im Weltcup. Im Vorjahr war der Zöllner mal Zwölfter geworden – sein bisher bestes Resultat. Rang 4 bedeutete den Durchbruch in die Weltspitze. Nächtens hat Rees daraufhin kaum Schlaf gefunden. „Ich war total euphorisiert, bin nicht zur Ruhe gekommen. Und von daheim kamen tausend Nachrichten“, erzählte er. Unter anderem wurde vermeldet: „Der Schwarzwald steht Kopf.“
Seine Heimat ist der Schauinsland, der Freiburger Hausberg. Dort wohnt er mit seiner Familie – „in über tausend Meter Höhe, wir haben immer viel Schnee. Schon mein Großvater war Kombinierer.“ Er fing schon als Vierjähriger mit dem Skilanglauf an, wechselte bald zum Biathlon, erprobte sich sommers als Mountainbiker, der bekennende FC-Bayern-Fan spielt zudem beim Kreisligisten SF Oberried Fußball. Als Biathlet des SV Schauinsland trainiert er mittlerweile am Ruhpoldinger Stützpunkt.
Die Rangordnung im deutschen Team ist Rees wohlbewusst. „Wir haben die großen Vier.“ Das sind Benedikt Doll, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Simon Schempp – allesamt Weltmeister. Rees könnte die bisherige Lücke hinter den Spitzenkräften schließen. Die Möglichkeit zum nächsten Talentbeweis hat er schon am Sonntag beim Massenstart. Rees meinte: „Ich freue mich mega.“ gib