Rätselraten über einen Klops

von Redaktion

Dahlmeier liefert beim Ruhpoldinger Weltcup mit Rang 48 ihr schlechteste Karriereergebnis – DSV-Team enttäuscht

Ruhpolding – Als Franziska Hildebrand ihre Ski abschnallte, fasste sie ihre Laune mit einem Wort zusammen: „Verdammt!“ Und dieser von tiefem Frust genährte Kommentar hätte von den meisten deutschen Biathletinnen stammen können. Verdammt viel Fehlschüsse leisteten sich die Lokalmatadorinnen im Ruhpoldinger Rennen über 15 km. Deren vier waren es für Laura Dahlmeier. Die ansonsten zielsicherste deutsche Skijägerin lieferte mit Rang 48 gar das schlechteste Resultat in einem enttäuschenden Team. Bundestrainer Gerald Hönig wollte da nichts beschönigen: „Hier von einem mäßigen Ergebnis zu reden, ist noch untertrieben. Wir haben einen Tag erwischt, an dem wir überhaupt nichts zusammengebracht haben. So darf man sich nicht verkaufen.“

Andere machten es vor 13 000 Zuschauern weitaus besser. Von den besten sieben Biathletinnen des Klassements blieben fünf fehlerfrei. Ganz vorne lagen letztlich Dorothea Wierer (Italien/0 Fehler), Kaisa Mäkkäräinen (Finnland/1/12,7 Sekunden zurück) und Rosanna Crawford (Kanada/ 0/21,2), die es erstmals in ihrer Karriere aufs Podest schaffte. Die deutschen Starterinnen folgten weit dahinter: Die relativ beste war Maren Hammerschmidt als 15. (2 Strafminuten) vor Franziska Hildebrand (17./3), Vanessa Hinz (31./3), Franziska Preuß (32./3), Denise Herrmann (40./5) und als teaminternes Schlusslicht eben Dahlmeier (48./4).

Die amtierende fünffache Weltmeisterin war im Weltcup noch nie schlechter platziert gewesen – und somit lag die Spekulation nahe, dass ihre Erkrankung zum Jahreswechsel zu besorgniserregend nachhaltiger Formschwäche geführt hat. Sie selbst nahm’s zunächst mit Sarkasmus. Ihre erste Reaktion gestern: „Super. Ich bin so zufrieden. Es war so ein schönes Rennen. Und das tolle Schießergebnis: Grandios.“

Ganz offensichtlich fiel es der 24-Jährigen schwer, eine Erklärung für das missratene Rennen zu finden. Sie habe sich, so Dahlmeier, „sehr gut gefühlt, es hat Spaß gemacht“. Allerdings nur bis zum zweiten Liegendschießen. Dann verfehlte sie gleich drei Scheiben. Hönig konnte sich nicht daran erinnern, dass seine Paradebiathletin jemals bei einem Anschlag so oft daneben geschossen hatte. Der anfangs noch vielversprechende Wettkampf war damit im Eimer. „Ich konnte gut Gas geben, es wäre alles möglich gewesen“, sagte Dahlmeier, „aber nach so einem Klops ist das Rennen gelaufen.“

Immerhin entdeckte Hönig einen Lichtblick: „Läuferisch war Laura in guter Verfassung.“ Aber da war eben die Sache mit dem „Klops“. Also jener Fehlleistung, die für die Präzisionsschützin Dahlmeier höchst ungewöhnlich ist. Sie selbst nahm es relativ gelassen: „Es ist halt so. Es bringt nichts, sich immer Gedanken und Stress zu machen.“ Hönig mutmaßte, dass das nahezu kollektive Schwächeln seines Frauen-Teams mit den speziellen, also extrem stimmungsvollen Ruhpoldinger Verhältnissen zu tun hat: „Man spürt hier mehr Druck und Last als einen Heimvorteil.“ Die Folge: „Bei vielen Fehlschüssen waren Nervosität und Vorsicht im Spiel.“

Im Hinblick auf die Olympischen Spiele erlebten die deutschen Skijägerinnen also einen krachenden Schuss vor den Bug. Der Bundestrainer setzt nun auf baldige Rehabilitierung: „Wir müssen versuchen, das Negativerlebnis so schnell wie möglich aus den Köpfen kriegen.“ Am besten schon morgen beim Staffelrennen. Andererseits warb Hönig um eine maßvolle Bewertung des gestrigen Debakels: „Es wäre falsch, von einer Krise zu reden.“

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