Ruhpolding – Tarje Bö dankte zunächst seinen Landsleuten. „Es sind so viele Norweger hier – wir fühlen uns wie zuhause“, sagte er. Dieser spezielle Heimvorteil in der Chiemgau Arena schlug sich am Freitag vor 18 000 Zuschauern auch im Resultat des Staffelrennens nieder. Norwegen siegte vor Frankreich (24,9 Sekunden zurück) und Russland (53,4), auf der Tribüne flatterten zuhauf die norwegischen Banner, Emil Hegle Svendsen sagte im Hinblick auf Olympia: „Wir wissen jetzt endgültig, dass wir unter den Favoriten sind.“
Derlei Prognosen lassen sich für die deutschen Skijäger nicht unbedingt anstellen. Vierter wurde das DSV-Quartett mit 33 Sekunden Abstand zum Podium. Schlussläufer Simon Schempp befand: „Für einen vierten Platz wollen wir nicht an den Start gehen. Das war natürlich nicht zufriedenstellend. Wir können es definitiv besser.“ Etwas moderater fiel das Urteil von Bundestrainer Mark Kirchner aus: „Es fehlen uns noch ein paar Kleinigkeiten, um aufs Podium zu kommen. Aber die Jungs haben hart gekämpft und alles versucht.“
Es war der letzte Staffelwettkampf vor den Winterspielen – eine Generalprobe also. Und auch wenn es übertrieben wäre, von einer Enttäuschung zu sprechen, so lässt sich andererseits aus dem Auftritt der Lokalmatadoren auch nicht unbedingt vorolympische Zuversicht schöpfen. Eine tadellose Leistung bot allein Erik Lesser. Zwei Tage nach seinem verunglückten Einzelrennen (63. Platz) blieb er als Startläufer fehlerlos, brachte das deutsche Quartett zwischenzeitlich sogar in Führung.
„Erik weiß genau, was er tut. Er hat auch einen guten Plan“, belobigte Kirchner den 29-Jährigen. Dieser hatte wegen eines Infekts zu Jahresbeginn eine Zwangspause eingelegt. Nun präsentierte er sich bereits wieder bestens erholt. Es habe sich ausgezahlt, so Kirchner, „dass Erik den Mut hatte, nein zu sagen. Das war besser, als beim Weltcup in Oberhof auf Biegen und Brechen einen Wettkampf zu laufen, um dann zwei Wochen auszufallen.“ Lesser meinte: „Ich bin ungefähr in der Verfassung, wo ich hin möchte.“
Davon konnte bei den Teamkollegen nicht unbedingt die Rede sein. Auch Kirchner räumte ein, dass Benedikt Doll und Arnd Peiffer „etwas müde“ gewesen seien. Und Schempp war anzumerken, dass ihm immer noch die Nachwirkungen seiner Rückenprobleme zu schaffen machen. Wertvolle Zeit verloren die Drei vor allem am Schießstand. „Zehn Fehler sind einfach zu viel“, meinte Schempp. Doll haderte vor allem mit den drei Nachladern, die er für eine einzige Scheibe brauchte: „Das war total sinnlos. Wenn ich wach genug gewesen wäre, wäre mir das nicht passiert.“
Eher kritisch gestimmt zeigte sich auch Schempp: „Manchmal kann Biathlon sehr schwer sein. Es waren zwar keine Totalaussetzer dabei. Aber leider auch keine solchen Leistungen, um ganz vorne mit dabei zu sein.“ Seine Hoffnungen beschreibt der Massenstart-Weltmeister so: „Wir brauchen wieder so ein Aha-Erlebnis, wo es bei jedem flutscht. Dann können wir ganz vorne angreifen.“ Allzu viel Zeit bleibt dafür nicht mehr. gib