Arsenal ist bereit für Aubameyang

von Redaktion

BVB könnte sich zu einem sofortigen Verkauf des Stürmers gezwungen fühlen – Trainer Stöger verordnet Hügelsprints

Von Marcus Bark

Dortmund – Das Röhren des Motors kündigte ihn schon an, als sein Auto noch außerhalb der Sichtweite war. Mehr als eine Stunde vor dem Trainingsbeginn rauschte Pierre-Emerick Aubameyang gestern mit einer seiner noblen Karossen heran. Der extravagante Fußballer hat häufig Probleme, pünktlich zu sein. Am Tag, nachdem er wieder mal wegen seiner Eskapaden im Blickpunkt stand, erwies er sich in dieser Beziehung als Musterprofi.

Aubameyang blieb sogar ein bisschen länger, denn er musste noch ein paarmal einen kleinen Hügel hinaufsprinten, mit dem Ball am Fuß. „Wenn das ein Straftraining gewesen wäre, hätte ich daneben gestanden“, sagte Trainer Peter Stöger, der darum bemüht war, die Aufregung um seinen Torjäger zu beruhigen. „Das gehörte zur Vorbereitung auf das nächste Spiel“, so Stöger, der aber offen ließ, ob Aubameyang für die Partie am Freitag bei Hertha BSC zum Kader gehört.

Pierre-Emerick Aubameyang spielt seit 2013 für Borussia Dortmund. Von den möglichen 154 Bundesligapartien bis heute bestritt er 143. Die verpassten Spiele sind auf die seltenen Verletzungen zurückzuführen, manchmal wurde er auch geschont. Zwei Spiele der laufenden Saison, jenes beim 1:2 in Stuttgart und das am Sonntag beim 0:0 gegen den VfL Wolfsburg, verpasste er „aus disziplinarischen Gründen“, wie es von Seiten des Vereins hieß.

Dahinter steckte aktuell ein Affront, der den Wunsch Aubameyangs, einen Abschied aus Dortmund zu forcieren, nahelegt. Der Stürmer schwänzte eine Mannschaftssitzung am Samstag, in der Trainer Peter Stöger auch und vor allem über Teamgeist, Ziele, mittelfristige Planungen sprechen wollte. Der Torjäger blieb ihr fern, ein deutliches Signal an den Verein und die Kollegen.

Am Spieltag folgte ein „sehr kontroverses Gespräch“, wie Michael Zorc berichtete. Der Sportdirektor wollte Aubameyang zusammen mit Stöger wieder in die für den Verein nützliche Spur bringen. Aber das erscheint aussichtslos. „Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ein solches Verhalten kannte ich vorher von ihm nicht“, ließ Zorc die Öffentlichkeit an der Auseinandersetzung teilhaben. Hans-Joachim Watzke will es bei der Darstellung seines Sportdirektors belassen. „Michael Zorc hat alles gesagt. Es gibt zwischen ihm, Peter Stöger und mir eine hundertprozentige Übereinstimmung“, so Dortmunds Geschäftsführer gestern zu unserer Zeitung.

Schon vergangene Saison war Aubameyang bestraft worden. Ein Kurztrip nach Mailand führte dazu, dass er ein Spiel in der Champions League aussetzen musste. Im folgenden Bundesligaspiel schoss Aubameyang vier Tore. Alle hatten sich wieder lieb, alle hatten ihn wieder lieb.

Es ist sehr zweifelhaft, dass dies wieder passieren wird. Viel wahrscheinlicher ist ein Wechsel zum FC Arsenal in die Premier League. Bei dem Klub aus London deutet alles auf einen Transfer von Alexis Sanchez zu einem der großen Vereine aus Manchester hin. „In den nächsten 48 Stunden“, so Arsenals Trainer Arsène Wenger nach dem 1:2 beim AFC Bournemouth, erwarte er eine Entscheidung im Fall des chilenischen Stürmers. Sanchez war von Wenger aus dem Kader für das Spiel gestrichen worden. Auch das gilt als Indiz für einen bevorstehenden Abgang.

Englische Medien berichteten darüber, dass der FC Arsenal schon eine Vereinbarung mit Aubameyang getroffen habe. Der Kapitän der Nationalmannschaft Gabuns solle demnach zum bestbezahlten Profi in der Klubgeschichte werden.

Borussia Dortmund war lange gewillt, Aubameyang frühestens im Sommer 2018 ziehen zu lassen. Aufgrund der neuerlichen Entwicklung könnte es nun viel schneller gehen. „So kann es nicht weitergehen“, sagte Zorc.

Der Verein räumte Aubameyang lange Sonderrechte ein, redete die Probleme klein, die dadurch auch mannschaftsintern entstanden. Vor der laufenden Saison erhielt Aubameyang einen neuen Vertrag, obwohl der vorherige auch schon bis 2020 gültig war. Der BVB zahlte mehr Geld, Aubameyang zahlte es mit Toren zurück. Selbst in dieser Saison mit den heftigen Nebengeräuschen schoss der Stürmer 13 Tore in 15 Bundesligaspielen.

Sportlich wäre der Verlust Aubameyangs gravierend, aber der Verein ist fast schon zum Verkauf gezwungen. Der Stürmer, so heißt es, zeige keine Einsicht. Der wirtschaftliche Schaden, einen auf weit über 50 Millionen Euro Ablöse taxierten Profi für längere Zeit zu suspendieren, könnte schmerzlich sein. Noch gebe es kein Angebot des FC Arsenal, heißt es aus dem Klub.

Die These, dass Aubameyang mit Borussia Dortmund abgeschlossen hat, wird auch durch eine Mitteilung seines Vaters Pierre beim Sozialen Netzwerk Instagram gestützt. „Ich glaube, dass der kleine Affe und seine Familie hier weg müssen, denn es wird hier unerträglich“, schrieb Pierre Aubameyang, der seinen Sohn auch bei Verhandlungen vertritt. Der Vater löschte den Eintrag inzwischen, in dem er einen Chefreporter des Fachmagazins kicker als „Scheißjournalisten“ beschimpfte. Jener Reporter hatte Aubameyangs Eskapaden schon einen Tag vor der neuerlichen Suspendierung als „Affenzirkus“ bezeichnet. Der Stürmer sah das nach einer Recherche bei Google als rassistische Beleidigung an, wie er ebenfalls bei Instagram mitteilte.

Als Aubameyang gestern den Trainingsplatz betrat, fiel eher sein Nebenmann auf. Manuel Akanji, dessen Verpflichtung vom FC Basel erst wenige Minuten zuvor bekannt gegeben worden war, lief bei widriger Witterung mit kurzer Hose auf. Der 22 Jahre alte Innenverteidiger kostet den BVB etwa 20 Millionen Euro. Er unterschrieb einen Vertrag, der bis 2022 gültig ist. Es ist gut möglich, dass nun noch ein Innenverteidiger in der Wintertransferperiode wechseln wird. Ein Kandidat ist Marc Bartra, der bei dem Bombenanschlag im April 2017 verletzt wurde und an den psychischen Folgen leidet.

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