München – Der Ausspruch „mia san mia“ ist ja der Klassiker, wenn es darum geht, die Deutschkenntnisse von ausländischen Bayern-Profis abzufragen. Aber James Rodriguez ist längst eine Stufe weiter. Zwar lerne er noch, beteuerte der Kolumbianer dieser Tage, es sei absolut keine leichte Sprache. Aber ein wichtiger Begriff des Innenlebens seines Klubs geht ihm schon leicht über die Lippen. „Kennt ihr Radio Müller?“, fragte er. Seine Gegenüber mussten lachen. So gut wie jeder kennt den Spitznamen für den nie um Worte verlegenen Thomas Müller. Und dass James nun auch dazu gehört, ist ein weiterer kleiner Beweis dafür, dass die Integration in München Schritt für Schritt voranschreitet.
So richtig viel gesehen hatte man ja im ersten halben Jahr des 26-Jährigen im Bayern-Trikot noch nicht. Zum Einstand eine Verletzung, dann einige gute Spiele, in Erinnerung ist vor allem das 3:0 in Schalke geblieben, betitelt als „1. James-Gala“. Ansonsten aber merkte man dem Offensivspieler an, dass neue Länder, neue Sitten, neue Eindrücke erst mal verdaut werden müssen, ehe man sich auf sich selbst konzentrieren kann. Dass der Wunschspieler von Carlo Ancelotti unter Jupp Heynckes stetig besser wurde, war nicht zu übersehen. Dass er aber nun – nach einer äußerst engagierten und vielversprechenden Trainingswoche in Doha – in Leverkusen in Topform startete, macht Hoffnung auf mehr.
Noch nicht alles gelang seinem feinen Füßchen, nicht jeder Chip-Ball in die Spitze kam an. Mit vielen Ballkontakten wurde James aber im Lauf des Spiels hinter Müller zur Schaltstelle, aufmerksam und laufstark. Dass er das 2:0 einleitete war genauso wenig Zufall wie der brillante Lupfer zum 3:1-Endstand. Der Mann kann schon kicken.
„Jeden Tag“, sagte Heynckes nun dem „kicker“, sei zu merken, „dass er sich hier wahnsinnig wohlfühlt“. Zwar sieht der Trainer durchaus noch Steigerungspotenzial („Bälle mehr versenken, an Spritzigkeit gewinnen“), er lobt aber James’ unbedingten Willen zur schnellstmöglichen Integration. Dass der von Real Madrid ausgeliehene Nationalspieler gemerkt habe, „dass er Fehler machen darf und es nicht an seiner Leistung liegt, wenn er mal raus muss“, habe den Umgang miteinander erleichtert. Heynckes und er pflegen eine „sehr gute Kommunikation“ – die allerdings weitestgehend in spanischer Sprache erfolgt.
Auch Müller wird in Unterredungen der beiden schon des Öfteren ein Thema gewesen sein. Denn dass der Coach dem Duo zutraut, wie in Leverkusen Robert Lewandowski zu vertreten – und in dessen Abwesenheit nicht unbedingt Sandro Wagner ran muss –, hat er ja schon oft genug betont. Fast in Dauerschleife, also wie „Radio Heynckes?“
Nein, nein. James weiß genau, dass es diesen Spitznamen nicht gibt. hlr