Liverpool – Für einen Moment vergaß Jürgen Klopp sogar seine gute Kinderstube. „Wenn man als Fan auf das Spiel schaut, sagt man: What the fuck was that?“, sagte der Teammanager des FC Liverpool nach der 4:3 (1:1)-Gala gegen den zuvor ungeschlagenen Premier-League-Tabellenführer Manchester City im Interview mit dem amerikanischen Fernsehen.
Der Moderator bat bei den Zuschauern um Entschuldigung für Klopps nicht ganz jugendfreie Wortwahl, doch der deutsche Übungsleiter war sich keines Fehlers bewusst. „Ich dachte, in Amerika sei das erlaubt“, scherzte Klopp, der einen Prestigesieg gegen seinen City-Kollegen Pep Guardiola feiern konnte.
Seine offenen Worte waren aber auch nachvollziehbar. Das Duell war als Spiel des Jahres angekündigt worden, weil sich die offensivstärksten Mannschaften der Premier League gegenüberstanden. Und in der Tat bekamen die Zuschauer an der Anfield Road ein Spektakel geboten – bei dem mehrere deutsche Profis mit Blickpunkt standen. Liverpools frühe Führung durch Alex Oxlade-Chamberlain glich Leroy Sane kurz vor der Pause aus. Er profitierte dabei von einem Fehler von Liverpools Torwart Loris Karius. Der ehemalige Mainzer bekam den Vorzug vor Simon Mignolet, überzeugte jedoch nicht.
Nach dem Seitenwechsel spielte Liverpool seine Stärke in der Offensive aus und kam innerhalb von neun Minuten zu Treffern durch Roberto Firmino, Sadio Mane und Mohamed Salah. Am Ende schaffte City zwar noch den Anschluss durch Tore von Bernardo Silva und llkay Gündogan, mehr war für Guardiolas Team aber nicht drin.
Der Klub wartet seit 2003 auf einen Sieg an der Anfield Road. Das Polster an der Tabellenspitze bleibt trotz der ersten Ligapleite zweistellig. Liverpool schob sich mit dem vierten Sieg nacheinander an Meister Chelsea vorbei auf den dritten Platz.
Im ersten Spiel nach dem 160-Millionen-Euro-Transfer von Regisseur Philippe Coutinho zum FC Barcelona war der Erfolg ein Zeichen, dass weiterhin mit dem FC Liverpool zu rechnen ist. „Es war wichtig zu zeigen, dass wir ohne ihn spielen können. Es war ein wichtiges Statement, absolut“, sagte Klopp.
Der Grund für den Sieg war die offensive Herangehensweise seines Teams. Anders als viele anderen Mannschaften in dieser Saison begegnete Liverpool dem Tabellenführer aus Manchester nicht passiv, sondern zeigte sich – unterstützt von den Fans im eigenen Stadion – angriffslustig. Liverpool führte jenen Vollgasfußball auf, den der deutsche Trainer einst schon in Dortmund installiert hatte. Am Sonntag ging die Strategie auf. „Es gibt keinen anderen Weg, City zu schlagen. Du musst mutig sein, du musst Fußball spielen. Ich bin wirklich froh, dass es geklappt hat“, betonte Klopp.
Auch wenn in der Schlussphase wieder einmal Schwächen in der Hintermannschaft offengelegt wurden. Ohne den verletzten 84-Millionen-Mann Virgil Van Dijk in der Innenverteidigung fehlte in den letzten Minuten der Partie die Ordnung – wie schon oft in dieser Saison. Die Fachleute sind sich einig, dass Liverpool die Einnahmen aus dem Coutinho-Verkauf in weiteres Personal für die Defensive investieren sollte. Als Kandidat gilt allerdings auch Monacos Offensivmann Thomas Lemar.
Manchester City wird es nun zwar nicht mehr gelingen, eine ganze Saison unbesiegt zu bleiben wie zuletzt der FC Arsenal 2003/2004. Trotzdem will sich City nicht vom Kurs abbringen lassen. „Es liegen noch viele schwere Spiele vor uns. Wir müssen fokussiert sein und werden – natürlich – unsere Position verteidigen“, sagte Coach Guardiola, der verschnupft auf der Pressekonferenz erschien – aber nicht wegen der Niederlage in Liverpool.