TENNIS

Frühes Aus mit weiten Folgen

von Redaktion

Philipp Kohlschreiber scheitert bei den Australian Open – und lässt den Davis Cup wohl aus

Melbourne – In der ersten Runde eines Grand-Slam-Turniers zu verlieren fällt nie unter die Rubrik Vergnügen. Passiert das Ganze in Melbourne, wird die Sache allerdings für alle, die nicht aus Australien kommen, wegen des weiten Weges hin und zurück noch unangenehmer. Und wenn man dazu auch nicht gesund ist, ist die Höchststrafe erreicht.

In der ersten Woche des Jahres war Philipp Kohlschreiber in Sydney gelandet, aber schon am Tag seines ersten Spiels fühlte er sich nicht gut; Halsschmerzen, Husten, ein Gefühl von Schwäche. Er verlor das Spiel, flog nach Melbourne, es ging ihm weiter nicht gut, und er verlor wieder. „Es ist bitter, wenn man sich vorher sechs, sieben Woche quält und dann vom Körper ausgeknockt wird“, klagte er am Montag nach seiner Niederlage in fünf Sätzen gegen den Japaner Yoshihito Nishioka.

So fand die erste Dienstreise des Jahres ein schnelles Ende, denn obwohl die deutsche Mannschaft Anfang Februar im Davis Cup in Brisbane spielen wird und er als zweitbester deutscher Spieler normalerweise zur Mannschaft gehört, wird Kohlschreiber nicht in Australien bleiben.

Er sei dann erst mal weg, sagt er; ob er unter Umständen zurückkommen werde, müsse man mal sehen. Teamchef Michael Kohlmann hält das nicht für wahrscheinlich. „Wir hatten vorher schon gesprochen, und ich wusste, wie er beieinander ist. In der Verfassung, wie er jetzt ist, würde er uns eh nicht so viel helfen.“ Es sei denn, aus dem Kreis der fünf Spieler, die Kohlmann für Brisbane im Kopf hat – an der Spitze natürlich Alexander Zverev, die Nummer vier der Welt -, würden sich einer oder zwei verletzten. Bis zum Davis Cup am ersten Wochenende im Februar sind noch zweieinhalb Wochen Zeit, und theoretisch könnte Kohlschreiber zurückkommen, wenn es ihm wieder besser geht.

Ein Spiel in Australien gegen Australien am Wochenende nach den Australian Open, das hörte sich zunächst so an, als sei die Logistik für das deutsche Team nicht allzu kompliziert. Aber das Gegenteil ist der Fall. „Die meisten deutschen Spieler verlieren in Melbourne relativ früh, dann musst du zehn Tage überbrücken, bis die Partie losgeht“, sagt Kohlmann. „Nach Hause fliegen und zurück zu kommen macht keinen Sinn. Deswegen ist das schon ein Aufwand; ich bin dann sechseinhalb Wochen unterwegs, das hab ich selbst als Spieler nie gehabt.“

Seit Dezember wissen alle Bescheid, die für die Begegnung in Frage kommen, schließlich geht es ja bei jedem Einzelnen um unterschiedliche Turnierplanung. Jene Spieler, die in der kommenden Woche nicht mehr bei den Australian Open mitmischen werden, werden sich dann in einem Trainingszentrum an der Gold Coast, eine Stunde von Brisbane entfernt, zur Vorbereitung auf den Davis Cup treffen.

Bis zum 23. Januar müssen Kohlmann und dessen australischer Kollege Lleyton Hewitt ihre Teams für die Partie der ersten Runde nominieren, und Hewitt wird dabei ganz sicher die größere Auswahl haben. Notfalls könnte sich der Chef der Australier sogar selbst aufstellen; bei den Australian Open wird er Doppel mit seinem Landsmann Sam Groth spielen.

Dass Hewitt dazu noch fit genug ist, sah man in den vergangenen Wochen bei diversen Gelegenheiten. Nicht nur beim engagierten Training mit seinem neunjährigen Sohn Cruz. Für die Spiele im Davis Cup 2018 wird dieser noch nicht zur Verfügung stehen, aber im Gegensatz zu Philipp Kohlschreiber wird der junge Mann mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in Brisbane zumindest auf der Tribüne sitzen. doris henkel

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