Olympia: Mit Mauer, ohne Abeltshauser

von Redaktion

Von Günter Klein

München – „Soft goal“, wörtlich übersetzt ein weiches Tor. Eines, das nicht hätte sein müssen. Für Eishockey-Trainer ist es ein Begriff, den sie voller Verächtlichkeit aussprechen.

Eines dieser „soft goals“ sah Rob Wilson, der Coach der Nürnberg Ice Tigers, am Sonntag in der Münchner Olympia-Eishalle: das 2:2 für den Gegner, den EHC, durch Brooks Macek, den Torjäger. Dieser Treffer leitete das Comeback des EHC München ein – in einem zweiten Drittel, das Nürnberg beherrschte. „Wir hätten 3:1 oder 4:1 führen müssen, wir waren extrem gut“, meinte Wilson. Und so verloren die Ice Tigers noch, 3:4 hieß es am Ende gegen sie. Dazu das Negativerlebnis vom Freitag (zuhause 1:2 gegen Augsburg) – es war ein Null-Punkte-Wochenende. „Wir sind ein bisschen enttäuscht“, so Wilson mit Blick aufs Tabellenbild. Zwei Tage zuvor war Nürnberg noch oben gestanden, nun ist es Zweiter mit fünf Punkten weniger als Meister München.

„Wir punkten eigentlich immer“, sagt der Münchner Don Jackson. Wenn man mal verliert wie vergangene Woche in Ingolstadt, dann in der Verlängerung, so dass wenigstens ein Zähler hängen bleibt. „Wir können jedes Spiel drehen, auch wenn wir mal mit zwei, drei Toren hinten liegen sollten“, verweist Kapitän Michael Wolf auf die besondere Qualität der Mannschaft, die gegen Nürnberg auch im Powerplay brillierte (zwei Treffer): „Das kommt vom Training, vom Selbstvertrauen und der individuellen Klasse“, so Wolf. Trainer Jackson freute sich über „great goals“ und wichtige Paraden von Torwart Danny Aus den Birken, „der den Unterschied ausgemacht hat“. Und weil die Halle auch ausverkauft war (6142 Zuschauer), befand Jackson: „Es könnte nicht besser sein.“

Bis Ende Januar wird noch in dichtem Takt gespielt, dann legt die Deutsche Eishockey-Liga ihre Pause fürs Olympia-Turnier in Südkorea ein. Der deutsche Bundestrainer Marco Sturm wird am heutigen Dienstag öffentlich machen, wen er nominiert hat; die Spieler bekamen aber bereits Bescheid. Aus Münchner Sicht: Es gab viele Zufriedene, die sich nun den Olympia-Traum erfüllen können, aber auch einen Enttäuschten.

Aus den Birken (Tor), Daryl Boyle, Yannic Seidenberg (Abwehr), Patrick Hager, Brooks Macek, Dominik Kahun und Frank Mauer (Angriff) sind die deutschen Olympia-Starter des EHC. Der Ex-Mannheimer Mauer kann endlich ein Turnier unter Marco Sturm spielen, bei bisherigen Anlässen (zwei WMs, eine Olympia-Qualifikation) waren sie noch nicht zusammengekommen.

Keine Berücksichtigung findet nach Informationen unser Zeitung Konrad Abeltshauser, der aber halt eine durchwachsene Saison spielt (und auch das Pech hat, dass Teamkollege Yannic Seidenberg nach einem Mittelstürmerleben auf Verteidiger umschulte und das saugut macht – plötzlich war ein Konkurrent mehr da).

Achter Olympia-Teilnehmer des EHC München ist David Leggio, der einer der drei Torhüter in der Auswahl der USA sein wird.

Was aber machen die Cracks, die nicht in Südkorea für ihre Länder spielen werden? Don Jackson wird die erste Februar-Woche Urlaub geben. Danach geht es wieder an die Arbeit. „Vier Wochen nichts tun geht leider nicht“, sagt Michael Wolf, der vor zweieinhalb Jahren seine Nationalmannschaftskarriere beendet hat – sonst wäre er in Pyeongchang sicher auch noch dabei.

Wolf wird in der Olympia-Pause in Düsseldorf am Abschiedsspiel von Daniel „Schnitzel“ Kreutzer teilnehmen, seinem langjährigen Bekannten aus dem Nationalteam. Mads Christensen hat Länderspiel-Verpflichtungen mit Dänemark. Keith Aucoin vertritt die DEL beim All-Star-Cup in Bratislava, wo gegen Österreich, Tschechien und Slowakei ein Turnier im Verlängerungs-Format Drei gegen drei ausgetragen wird (mit zweimal 15 Minuten Spielzeit).

Mit den Spielern, die ihm im Februar bleiben, nimmt der EHC München eine Einladung nach St. Moritz an, wo er bei einem Turnier auf zwei Schweizer und eine tschechische Mannschaft treffen wird. „Wir nehmen Spieler vom SC Riessersee und aus Salzburg dazu“, umreißt Don Jackson seine Pläne.

Am 1. Februar ist das letzte Spiel vor der Pause (gegen Wolfsburg), am 28. Februar das erste danach (in Berlin), am 4. März endet die Hauptrunde. Danach: schon wieder Pause, in der die Pre-Playoffs stattfinden. Das Playoff-Viertelfinale beginnt am 14. März. Dass München es als einer der Top-Sechs-Teams erreicht, kann nach dem nächsten Spiel am Freitag zuhause gegen Düsseldorf offiziell sein. Derzeit beträgt bei noch zehn ausstehenden Hauptrunden-Partien der Vorsprung auf den Siebten (Köln) 28 Punkte.

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