„Politik der Nadelstiche gegen Ismaik“

von Redaktion

Eine brisante E-Mail belegt, dass es Teile des TSV 1860 auf eine Konfrontation mit dem Investor anlegen

München – Mit der Ruhe beim TSV 1860 dürfte es nun endgültig dahin sein. Dafür sorgt ein Bericht des „kicker“, in dem der Verwaltungsrat der Löwen als wahre Schlangengrube dargestellt wird. Zitiert wird aus einer E-Mail, die Markus Drees, Vorsitzender des Gremiums, intern verschickt haben soll. Was viele ahnten, ist dort schwarz auf weiß zu lesen: Dass nämlich Teile des Vereins eine „Politik der Nadelstiche“ gegen Investor Hasan Ismaik verfolgen.

Auslöser der Mail soll die von Ismaik geplante Vertragsverlängerung mit der von ihm selbst geholten Personalchefin gewesen sein. Lina Abuamer galt nicht nur als Vertraute des Jordaniers, sondern vor allem als Großverdienerin (130 000 Euro pro Jahr) – die der Verein schließlich gegen Ismaiks Willen freistellte.

Einerseits verständlich, denn welcher Viertligist gibt schon so viel Geld für Personalfragen aus? Andererseits: Beim Thema Rechtsberatung scheint das auch keinen gestört zu haben, wie das Fachblatt anhand von Originalpapieren nachweist. Die dicksten Posten: 301 000 Euro, die an die Kanzlei Anchor von Ex-Geschäftsführer Markus Fauser überwiesen wurden. 312 000 Euro, die sich andere Kanzleien teilten. Außerdem: 81 000 Euro für die Wirtschaftsprüfer von Deloitte für das „Erstellen einer positiven Fortführungsprognose zur Vermeidung der Insolvenzantragspflicht der KGaA“. Kurios: Ismaik wollte bei diesem Thema offenbar auf Nummer sicher gehen und investierte weitere 100 000 Euro in ein Zweitgutachten.

Intern wird nun nach dem Maulwurf gefahndet, der so vertrauliche E-Mails und Informationen an die Presse „durchsteckt“. Präsident Robert Reisinger, der gestern 54 wurde, wollte ebenso wenig zu den brisanten Inhalten Stellung nehmen wie Drees, der sich nun für sein Nadelstiche-Zitat verantworten muss.

Dazu kommt, dass Drees’ Gremium immer kleiner wird. Zuerst trat Saki Stimoniaris aus unbekannten Gründen zurück. Gestern folgte ihm Richard Ostermeier, von dem jedoch anzunehmen ist, dass er den aktuellen Kurs des e.V. mitträgt. Zum Abschied schrieb Ostermeier, dass er von einem ausgebauten 60er-Stadion träumt, dass er es für richtig hält, auf neue Darlehen zu verzichten – und dass er 1860 eine Scheidung von Ismaik wünscht. uli kellner

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