Beliebt oder Unbeliebt

von Redaktion

„Die Leute sollen mir nicht schreiben, sondern Eurosport anschauen“, sagt Sigi Heinrich. Er kann sich nur wundern, was auf seinem Facebook-Account an gehässigen Kommentaren eingeht. Wahrscheinlich wird er die Seite wieder schließen.

Die Zeiten, in denen Sportreporter, -kommentatoren und -moderatoren beim Fernsehen hohes Ansehen genossen, sind vorbei. Vielleicht profitierten die früheren Generationen auch davon, dass, wenn ein Zuschauer sich ärgerte, er bei der Redaktion der zuständigen Anstalt anrufen musste – wenn er denn die Telefonnummer hatte. Manche Programmzeitschriften druckten sie ab – aber ziemlich versteckt.

Seit einigen Jahren werden die sozialen Medien, die bisweilen unsozial wirken, dazu verwendet, Dampf abzulassen. Sachlich geschieht das selten.

Am heftigsten war es, als die ZDF-Redakteurin Claudia Neumann, schon lange in der Fußballberichterstattung tätig, bei der EM 2016 als erste Frau ein Männer-Fußballspiel kommentierte, nämlich Wales – Slowakei.

Anschließend ging es so heftig zu im Netz, das die Sportwissenschaftlerin Dr. Sandra Günter von der Hannoveraner Leibniz-Universität 920 der Posts auswertete und ihre Analyse („Wie kann man eine Frau kommentieren lassen?“) veröffentlichte. Sie wollte herausfinden: „Was sagt der Fall Neumann über das soziale Umfeld des Sports aus?“

Nichts Gutes. Erst nach ein bis zwei Wochen entwickelte sich ein Gegendiskurs pro Claudia Neumann; bis dahin richteten sich die Meinungen gegen Frauen als Fußballkommentatoren, gegen Emanzipation grundsätzlich. Manche schrieben auch, gegen Frauen als Erklärer eines Männerspiels sei nichts einzuwenden – wohl aber gegen Frau Neumann. Forscherin Sandra Günter: „Ins Zentrum der Kritik wurde die Stimme gestellt.“ Sie wertete „die Diskreditierung der Stimme als den verletzlichsten Moment“. Denn Stimme ist etwas sehr Persönliches und nicht zu ändern. Um die fachlichen Fähigkeiten der Kommentatorin ging es nicht.

Vor allem im Fußball kann man es keinem recht machen. Bela Rethy (ZDF), Tom Bartels und Steffen Simon (ARD) haben alle schon, teils mehrfach, Shitstorms erlebt. Und Marcel Reif wurde zu seiner Zeit als Kommentator (bei Sky) in Dortmund sogar körperlich bedroht und mit Bier übergossen.

In neuer Rolle als Experte beim gemütlichen „Doppelpass“ (Sport1) bekommt Reif vor allem Applaus.  gük

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