München – Miroslav Klose ist beim FC Bayern ein gern gesehener Gast. Seit November 2016 treibt der WM-Rekordtorschütze beim DFB seine Trainer-Karriere voran, doch auch beim Meister ist der 39-Jährige involviert. Zur Asienreise im Sommer flog er mit, und neulich inspizierte er den Campus. Vor dem Duell seiner Ex-Klubs Bayern und Bremen erklärt er seine Ziele.
-Herr Klose, aktuell kamen Sie von einer DFB-Reise aus La Manga zurück. Was haben Sie da gemacht, und wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?
Ich war mit den Nachwuchsmannschaften U 16 und U 17 des DFB unterwegs. Es geht darum, die Trainer, aber natürlich auch den Nachwuchs beim DFB kennenzulernen und mir Eindrücke über den Leistungsstand der einzelnen Spieler zu machen. Ich bin so oft es geht dabei, um zu lernen und natürlich auch, um Dinge anzusprechen, die mir auffallen, die man verbessern kann. Ich versuche, den Spielern Tipps zu geben, die ihnen hoffentlich weiterhelfen.
-Sie wollten nach den Länderspielen zwischen November und März den A-Schein machen und Anfang 2018 den Fußball-Lehrer – sind diese Pläne weiterhin aktuell?
Ja es ist richtig. Ich bin gerade dabei, meine Prüfungen abzulegen, um dann den Fußball-Lehrer zu machen.
-Sie werden als „Praktikant“ beim DFB bezeichnet. Müssen Sie bei dieser Bezeichnung schmunzeln, oder trifft sie exakt zu? Sie zählen zum Stab der A-Nationalelf und sind bei den U-Maßnahmen des Verbands beteiligt. Wie sind die Abläufe, wie viel Zeit widmen Sie dem DFB?
Wissen Sie, Titel und Bezeichnungen sind mir persönlich nicht so wichtig. Ich bin ein vollwertiges Mitglied des Trainerstabs der A-Nationalmannschaft von Jogi Löw und schaue mir darüber hinaus alle U-Mannschaften des DFB an. Ich übernehme hier und da auch schon mal Trainingseinheiten und entwickle neue Ideen, um unser Spiel und unser Training zu optimieren. Einfach gesagt, ich will viel lernen und jede Information aufsaugen, die wichtig ist und bringe mich ein, erkläre Dinge, wie ich sie sehe und suche natürlich den Kontakt zu unseren Jungs.
-Im Herbst sagten Sie, Sie würden bis nach der WM in Joachim Löws Stab planen – werden Sie fix in Russland dabei sein?
Ja, ich bin in Russland dabei.
-Wie sehen Sie als Experte die Situation von Sandro Wagner: Gefährdet er mit seinem Wechsel seine WM-Chancen?
Ich bin mir sicher, das Sandro auch darüber mit Jogi Löw gesprochen hat und sich dann alles gut überlegt hat.
-Sie lobten neulich Timo Werner in einem Atemzug mit Kylian Mbappé von Paris St. Germain und Real Madrids Marco Asensio als spannendsten Nachwuchsstürmer der Welt – bleiben Sie dabei, und was macht Werner so stark?
Timo gehört ganz sicher die Zukunft, wenn er weiter hart an sich arbeitet und sein Spiel noch einmal etwas variabler ausrichtet. Er hat so enorm viel Power, das ist eine echte Waffe. Wichtig wird bei einer Entwicklung eines so jungen Spielers immer sein, wie er lernt, auch mal mit kleinen Rückschlägen umzugehen.
-Was ist Ihre WM-Prognose: Schafft Deutschland die Titelverteidigung? Wer ist der härteste Gegner?
Wir gehören ganz sicher mit zu den Kandidaten, die um den Titel spielen können. Aber da gibt es noch einige andere heiße Kandidaten, die das Zeug haben, Weltmeister werden zu können. Ich bin sicher, wir werden auch in Russland wieder ein bis zwei Überraschungen erleben.
-Sie waren im Sommer beim FC Bayern auf der Asienreise als Botschafter dabei; wird diese Rolle ausgebaut, und wie ist Ihr Kontakt zum Verein?
Es war einfach klasse, für den FC Bayern als Botschafter dabei gewesen zu sein. Ich durfte auf dieser Reise eine Menge spannende Menschen und Fußballer treffen. Ich habe zu Bayern seit jeher einen sehr guten Kontakt, und natürlich spricht man da auch immer mal wieder über die Zukunft, über interessante Projekte. Ich hatte eine tolle Zeit als Stürmer bei den Bayern, und viele der Menschen von damals sind immer noch hier.
-Sie sagten mal, Trainer des FC Bayern zu sein, wäre ein Traum für jeden, für Sie auch im Juniorenbereich. Wie sehen Sie den FC Bayern Campus – wäre es reizvoll, dort mal einzusteigen, vielleicht dort Ihre Trainer-Karriere zu starten?
Ich habe mir den Campus vor rund drei Wochen einmal angeschaut, und ich muss sagen, dass ich mehr als begeistert war, was da entstanden ist. Bayern war und ist eine absolute Topadresse für jeden, der sich im Fußball bewegt.
-Am Sonntag spielen Werder und Bayern gegeneinander. Hand aufs Herz: Mit wem fiebern Sie mit?
Es sind beides tolle Vereine, für die ich richtig gerne gespielt habe. Ich freue mich auf dieses Spiel und werde es als neutraler, aber sehr interessierter Zuschauer verfolgen.
-Bayerns Meisterschaft scheint fix – sehen Sie mittelfristig jemanden, der diese Dominanz brechen kann oder machen Sie sich Sorgen, dass die Liga langweiliges Mittelmaß wird im Rücken der Münchner?
Nein, Sorgen mache ich mir überhaupt nicht. Ich sehe da so viel Potenzial bei anderen Vereinen, dass es auch in Zukunft spannend bleiben wird. Aber bei einem bin ich mir sehr, sehr sicher: Der Weg zur Deutschen Meisterschaft wird auch zukünftig immer über den FC Bayern gehen.
Interview: Andreas Werner