„Ich hole mir immer wieder Ratschläge bei Felix“

von Redaktion

Linus Straßer über Olympia, seinen neuen Status, sein „Heimrennen“ in Kitzbühel – und sein Talent als Fußballer

Kitzbühel – Platz drei beim Parallelslalom in Oslo, Platz zehn in Adelboden, jetzt Neunter beim Slalom in Wengen – Linus Straßer vom TSV 1860 München hat sich erstmals für die Olympischen Spiele qualifiziert. Wir sprachen mit dem 25-Jährigen über seinen neuen Status als Nummer eins im deutschen Slalom-Team, sein Heimrennen in Kitzbühel an diesem Sonntag und das Abenteuer Pyeongchang.

-Linus Straßer, seit Sonntag haben Sie das Olympiaticket in der Skijacke. Waren Sie schon mal in Südkorea?

Noch nie. Ich bin auch extrem überfragt, was ich von Olympia halten und erwarten soll. Es gibt Leute, die sagen, Olympia sei extrem stressig, andere sagen, es ist sehr schön. Es kommt vielleicht darauf an, wie man sportlich abschneidet. Ich bin schon sehr stolz darauf. Eine Teilnahme bei Olympia – es kann nicht jeder von sich behaupten, das im Leben geschafft zu haben.

-Dabei sein ist alles?

Bei Olympia gibt es nur Vollgas. Alles andere als die Plätze eins, zwei, drei ist schon egal. Also kann ich dort sehr befreit auffahren, ganz locker an die Sache herangehen.

-Nach den Ausfällen von Felix Neureuther, Stefan Luitz, und weil sich Fritz Dopfer nur langsam seine Form von früher nähert, ist Linus Straßer als 13. der Weltcupliste plötzlich die Nummer eins im deutschen Slalom-Team. Wie gehen Sie mit der neuen Situation um?

Auf Ranglisten schaue ich nicht, das ist absolut nebensächlich. Ich sehe mich selbst immer noch in einer Entwicklungsphase. Selbst wenn man mich als Nummer eins bezeichnen will – das hätte ich mir unter anderen Bedingungen gewünscht.

-Sie meinen: Ohne Neureuthers Ausfall. Wie sehr fehlt er?

Es fehlt einer, mit dem man sich im Training matchen kann. Ich habe regelmäßig Kontakt zu ihm, war nach seiner Operation auch im Krankenhaus zu Besuch. Ich frage öfter bei ihm nach, wie man was wo fahren sollte, hole mir immer wieder Ratschläge. Da ist er ein guter Ansprechpartner.

-Kitzbühel darf man als Ihr Heimrennen bezeichnen, weil sie am Ganslernhang einst mit ihren Eltern das Skifahren lernten.

Das ist mein Wohnzimmer. Ich freue mich sehr auf das Rennen. Von der Präparierung soll es heuer besser sein. Nicht mehr ganz so übertrieben von den Übergängen, und was sie sonst alles reingebaut haben.

-Wie weit sind Ihre Pläne gediehen, auch mal auf der Streif die Abfahrt anzugehen?

Da fehlen mir noch ein paar Kilogramm. Aber ich hätte schon Riesenlust, mal im Weltcup bei einer Abfahrt zu starten, auch in Kitzbühel.

-Ihr Spezialrennen fehlt leider bei Olympia noch, der Parallelslalom. Dort feierten sie vor einem Jahr in Stockholm ihren ersten (und einzigen) Weltcupsieg, waren heuer Dritter in Oslo. Wünschen Sie sich mehr Parallel-Events?

Ich fände es cool, wenn man dafür eine eigene Kugel aussetzt. Vier, fünf Bewerbe, Oslo, Stockholm und es wird sicher noch andere coole Städte geben in Europa, wo man einen Hügel aufschieben könnte oder wo es einen kleinen Berg gibt. Man braucht ja nicht viel dazu. So könnte man einfach den Sport zu den Zuschauern bringen – und muss nicht die Zuschauer zum Sport holen.

-Sie fahren für die Skiabteilung des TSV 1860 – spielen sie selber Fußball?

Bis ich 14 Jahren alt war, jetzt nicht mehr. Ich bin gerade in Wengen Neunter beim Slalom geworden, fürs Fußballspielen hat einfach das Talent nicht gereicht. Ich glaube, ich habe den besseren Weg eingeschlagen.

-Welche Position haben Sie gespielt?

Immer Verteidiger. Ich war nie der große Ballkünstler, eher der Kämpfer.

Das Gespräch führte Jörg Köhle

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