Unterhaching – Draußen versuchte der Wind, den Kunstrasen mit Macht der Tore zu berauben, drinnen legte Claus Schromm dar, wie wichtig die Reise seiner Unterhachinger ins Trainingslager nach Cadiz gewesen sei. Nach der Rückkehr seien die Bedingungen „verheerend“ gewesen, sagte der Coach, in Spanien habe er problemlos elf Einheiten und ein Spiel abwickeln können. „Wir sind zwei Mal nass geworden.“ Die Vorbereitung war in dieser Winterpause ungewöhnlich kurz. Man hat sie gut genutzt, findet Schromm.
Der Aufsteiger will in der Rückrunde die Anpassung an die Dritte Liga vorantreiben. Die erste Saisonhälfte lief bereits gut, Haching beginnt am heutigen Samstag beim Karlsruher SC (14 Uhr/live im BR) als Fünfter bei zwei Punkten Rückstand in Schlagdistanz zu einem Relegationsplatz. Es wäre jedoch auch nicht das erste Mal, dass einem rasanten Einstieg ein nachhaltiger Dämpfer folgt. Die Konkurrenz stellt sich beim Wiedersehen besser ein, und gerade im Fall von Haching wäre eine Verletzungsmisere unter den Leistungsträgern fatal. Im Trainingslager wurde in vielen Gesprächen darauf hingewiesen, dass die Meriten der ersten Halbserie mit Anpfiff der zweiten verwelken.
Vor allem die 31 Gegentore bekamen die Spieler vorgehalten, mehrfach. „Sie können es vermutlich nicht mehr hören“, sagt Schromm, aber es hilft nichts. „Ginge das so weiter, würden wir am Ende um die 62 fangen – mit 62 Gegentoren ist noch keiner aufgestiegen.“ 22 Treffer waren vermeidbar, „da waren wir selber massiv beteiligt, sie wären sehr leicht zu verhindern gewesen“, legte der Trainer dar. Der Durchmarsch in der letzten Saison sei aus diesem Blickwinkel Fluch und Segen, ein Spieler habe ihn in einem Vieraugengespräch gesagt, er habe bei einem Ballverlust immer das Gefühl gehabt, die Kugel käme schnell wieder zurück. So war es in der Regionalliga. Eine Klasse höher ist das ein Trugschluss. „Ballverluste werden hier öfter bestraft“, sagt Schromm, der den Schwerpunkt in Cadiz entsprechend gelegt hat: „Wir müssen die Sinne schärfen für präventives Denken.“
Ob das gelungen ist, wird sich ab sofort zeigen. Für eine extrem hohe Auffassungsgabe sind die Hachinger ja ohnehin bekannt. In Cadiz nun hat Schromm gemerkt, dass sich das schnell auf die Junioren auswirkt. Vor eineinhalb Jahren hatte man auch sieben Talente mitgenommen, damals hatten sie die Einheiten noch ziemlich gestört, weil sie das Niveau nicht mitgehen konnten. „Diesmal war es ganz anders, es war eine große, gemeinsame Trainingsgruppe“, erzählt Schromm, „man sieht, was für einen Sprung wir gemacht haben.“ Unterhaching scheint gewappnet, selbst wenn der Wind schärfer weht.