Zwei Rückkehrer und eine Aussprache

von Redaktion

Der TSV 1860 stellt Gorenzel und Märkle vor, der neue Geschäftsführer Scharold trifft sich mit Yahya Ismaik

Von Ludwig Krammer

München – Einigkeit verkaufen, wo keine ist, Vertrauen schaffen, den öffentlichen Fokus auf den Fußball lenken – Michael Scharold ist um seine Aufgabe als Geschäftsführer des TSV 1860 nicht zu beneiden. Stück für Stück versucht der Finanzexperte und Nachfolger von Markus Fauser das fragile blaue Gebilde zu stabilisieren. Am Freitag konnte zumindest ein erster Erfolg verkündet werden.

Wie angekündigt haben die Sechziger mit dem Österreicher Günter Gorenzel (46) und dem Schwaben Dieter Märkle (55) ihr sportliches Kompetenzteam vervollständigt. Gorenzel, einst Co-Trainer von Walter Schachner und Marco Kurz bei 1860 und später Juniorencoach, kommt von Blau-Weiß Linz (2. Liga) und wird als Sportlicher Leiter Coach Daniel Bierofka zur Seite stehen.

Auch für Märkle ist der Wechsel nach München eine Rückkehr. Er war von 2008 bis 2010 Trainer der Löwen-U23 und arbeitete zuletzt als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Nun übernimmt er als Nachfolger von Wolfgang Schellenberg das Internat des TSV und soll mithelfen, die U17- und U19-Mannschaften zurück in die Bundesliga zu bringen.

Dass die hochgelobte Nachwuchsarbeit in den vergangenen Jahren gelitten hat und neben Ingolstadt und Augsburg auch die SpVgg Unterhaching vorbeiziehen konnte – „dieser Prozess wird sich nicht von heute auf morgen umdrehen lassen“, sagt Märkle. Nicht zuletzt, weil die Finanzausstattung der Löwen im „Haifischbecken“ Eliteförderung eher karg ausfällt.

Auch bei der ersten Mannschaft ist das Budget auf Kante genäht. Ob es einen Winterzugang geben wird, ist längst nicht sicher. Bierofkas Wunschspieler Michael Görlitz (30) könnte nach dem Urteil der 1860-Ärzte frühestens Mitte/Ende Februar ins Mannschaftstraining einsteigen. Scharold betonte am Freitag trotzdem, dass nach wie vor „großes Interesse“ der Löwen am Ex-Bielefelder bestünde. Spätestens Mitte nächster Woche ist mit einer Entscheidung zu rechnen. Görlitz soll eine Drittliga-Anfrage vorliegen, auch die Löwen sind laut Scharold mehrgleisig unterwegs.

Einigkeit herrscht beim sportlichen Ziel für diese Saison. Gorenzel: „Wenn du im Winter mit sieben Punkten Vorsprung die Tabelle anführst, dann willst du natürlich als Erster über die Ziellinie gehen. Aber es wird alles andere als ein Selbstläufer. Und die Relegation hat eh ihre eigenen Gesetze.“

So wie die Klubpolitik der Löwen. Nach den Irritationen um Scharolds Einsetzung als Geschäftsführer per 50+1-Beschluss scheinen sich die Wogen langsam zu glätten. Am Donnerstag traf sich der KGaA-Boss in der Geschäftsstelle mit Ismaik-Bruder Yahya und berichtete hinterher von einem guten Gespräch. „Wir haben uns über alles ausgetauscht.“ Auch über die Aussage des Investors, Scharold sei zu „schwach“ für den Posten des Geschäftsführers? „Ich erwarte keine Entschuldigung“, versicherte der Gegeißelte gestern. „Ideal wäre es, wenn wir es schaffen, den Fokus komplett auf Fußball zu legen.“

Ein großes Ziel. Zumindest an diesem Samstag sollte es für 90 Minuten gelingen. Um 13 Uhr treten die Löwen zum Testmatch gegen den FC Memmingen an. Gespielt wird auf dem Kunstrasenplatz an der Grünwalder Straße 114a. Eintritt: Fünf Euro.

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