Auslosung der Nations League

Bürokratie und Kommerz

von Redaktion

Es ist fast schon ein Treppenwitz, dass ausgerechnet in dem Moment, in dem die Kritik enormste Dimensionen annimmt, das Los dem aktuellen Flaggschiff der Szene eine Gruppe zusammengestellt hat, für die die Branche den Fachterminus „Hammergruppe“ praktisch erfunden hat. Weltmeister Deutschland kriegt es im September zum Auftakt der fragwürdigen Nations League mit Frankreich und den Niederlanden zu tun. Prominenter geht es kaum. Joachim Löw hatte sich starke Gegner gewünscht. Der Bundestrainer bekam, was er wollte.

Dieses Los – waren die Kugeln in Lausanne nicht ausnahmsweise vielleicht doch angewärmt? – stellt die Kritiker des neuen Formats zunächst einmal ins Abseits. Die UEFA hatte die Einführung des Pseudowettbewerbs damit begründet, eher fade Tests mit unattraktiven Gegnern durch elektrisierende Duelle von Teams auf Augenhöhe zu ersetzen. Im Falle der deutschen Nationalelf ging der Plan auf, Fortuna sei Dank. Und dennoch wird die große Frage, ob sich der Anhang mit dem Kunstprodukt anfreundet.

In erster Linie wird die Nations League als nächster Auswuchs der ungeniert fortschreitenden Kommerzialisierung und Bürokratisierung wahrgenommen. Die UEFA nimmt zwei Milliarden Euro ein, ARD und ZDF legten für die deutschen TV-Rechte 120 Millionen hin – ist es das alles wert? Oder übertreiben es die Organisatoren damit, sich zu verkaufen?

Überfrachtung droht. Es ist richtig, dass selbst die Weltmeisternation in den letzten Jahren Mühe hatte, die Fans gegen unterklassige Nationen ins Stadion zu locken. Aber als es zum Ausklang 2017 ebenfalls schon gegen Frankreich ging, blieben in Köln erneut ein paar Sitzschalen leer. Der Fußball droht, durch immer mehr Spiele und Wettbewerbe an Attraktivität zu verlieren. Selbst bei Nationalteams, in jedem Land das liebste Kind, macht diese Entwicklung nicht Halt. Der Confed Cup wurde beispielsweise nie als ernsthafter Wettbewerb akzeptiert. Er fungiert inzwischen lediglich als WM-Probelauf.

Die Nations League kommt, das ist nicht aufzuhalten. Ob die Fans auch kommen? Die Spieler haben ja keine Wahl. „Das ist mal eine Hammergruppe“, twitterte Thomas Müller gestern nach der Auslosung. Sicherheitshalber versah er seinen Tweet mit drei Ausrufezeichen. Er wusste, dass der Treppenwitz keine feinere Pointe hätte finden können.

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