Garmisch-Partenkirchen – Die gute Nachricht: Valentin Giraud Moine kann wieder gehen. Mehr noch: Er will sogar wieder skifahren, seine Karriere im kommenden Winter fortsetzen, was an diesem 27. Januar 2017 ausgeschlossen schien, als er beim Sturzrennen auf der Kandahar zu einem der tragischen Hauptdarsteller wurde. Der Franzose kugelte sich beim Sturz beide Kniegelenke aus, zog sich diverse Bänderverletzungen zu. Auch Steven Nyman (USA) und Erik Guay (Kanada) stürzten schwer.
Der Internationale Skiverband und die Organisatoren in Garmisch-Partenkirchen zogen ihren Lehren aus den katastrophalen Szenen im Vorjahr, versuchten, die Strecke ein wenig zu entschärfen. Eine Familienabfahrt ist die Kandahar deshalb nicht geworden, aber dem im Vorjahr so garstigen Kramersprung wurde ein runderes Profil verpasst, „da werden wir fast nicht mehr abheben“, sagt Renndirektor Markus Waldner, der auch vom Problem mentaler Müdigkeit der Läufer nach Kitzbühel spricht. Deshalb habe man besonderes Augenmerk darauf gelegt, die Sprünge „auf der gemütlichen Seite“ zu gestalten. Seine oberste Devise heißt: Keiner darf sich vor dem Saisonhöhepunkt verletzen, „wir wollen alle heil zu Olympia bringen“. Der Schweizer Weltmeister Beat Feuz bestätigte gestern nach dem Training: „Die Sprünge sind ziemlich entschärft worden, dennoch sind sie unruhig.“
Das Problem bei der Präparierung waren die Schneefälle vom vergangenen Wochenende und das zu warme Wetter. Im Vorjahr hatten die Läufer über unterschiedliche Verhältnisse im oberen und unteren Streckenteil geklagt, weil im unteren Abschnitt die Piste wegen des Riesenslaloms am Sonntag mit Sprühbalken vereist worden war. Diesmal wurde von oben bis unten eine uniforme Grundpräparierung gezimmert, „um Verschneider zu vermeiden“ (Waldner). Die fertige Piste in den letzten Tagen vom nassen Neuschnee zu befreien, stellte die Organisatoren vor eine große Herausforderung.
Trotz der Korrekturen – die Kandahar hat nur unwesentlich von ihrem Schrecken verloren. „Die Bedingungen sind sehr anspruchsvoll, aber das war für Garmisch zu erwarten“, fand der Deutsche Andreas Sander gestern, und Hannes Reichelt aus Österreich klagte: „Ich hatte Mühe, alles unter Kontrolle zu halten.“ Definitiv sei es von Kitzbühel nach Garmisch nicht leichter geworden. Recht so. „Das ist immer noch die Kandaher, das ist eine zache Piste“ (Waldner).
Steven Nyman, einer der Sturzpiloten vom Vorjahr, wagt sich auch wieder an den Start. Kreuzbandriss verheilt, neuer Versuch. „Ich hatte so ein bisschen gemischte Gefühle“, sagte der Amerikaner nach dem Training, „um ehrlich zu sein, war der Lauf richtig schlecht.“ Egal, er endete diesmal nicht im Fangnetz. jk