München – Die deutschen Rodler sind die Vielseitigkeitsreiter des Wintersports. Oder die Dressurreiter. Auf jeden Fall eine jener Sparten, auf die bei großen Terminen immer Verlass ist und auf die das ganze Land schaut, wenn olympische Medaillen vergeben werden. Man weiß: Wenn gerodelt wird, wird anschließend gefeiert.
2014 in Sotschi bekam die Sportnation Deutschland ein besonders außergewöhnliches Szenario geboten. Die vier Titel im Eiskanal gingen nicht nur ausnahmslos an Athleten des Schlittenverbandes BSD, sondern dort auch noch an einen einzigen Standort. Die Sportler vom Königssee räumten ab, was abzuräumen war, und prägten einen Begriff, der seitdem als Synonym für die Kombination aus Erfolgsbesessenheit und Lockerheit gilt: Trainingsgruppe Sonnenschein.
Vier Jahre später herrscht bei Natalie Geisenberger, Felix Loch und den Doppelsitzern Tobias Wendl/Tobias Arlt noch immer eitel Sonnenschein, wenngleich die Dominanz nicht mehr so umfassend ist wie in Sotschi. Aus Verbandssicht lässt sich das allein schon deshalb verschmerzen, weil der neue Branchenprimus unter den Doppelsitzern aus dem eigenen Lager kommt. Toni Eggert und Sascha Benecken, die in Oberhof trainieren, haben die Konkurrenz in diesem Weltcup-Winter so eindeutig dominiert, dass die Entscheidung in der Gesamtwertung bereits vor dem Saisonfinale im lettischen Sigulda gefallen wäre, wenn die Thüringer nicht neulich in Lillehammer gestürzt wären.
Die Überlegenheit deutscher Rodler, die von der exzellenten Infrastruktur und der technologischen Überlegenheit profitieren, ist in den vergangenen Jahren oft ein Thema in der Szene gewesen. Der Weltverband FIL – den mit dem Oberbayern Josef Fendt selbstverständlich ein Deutscher anführt – hätte gerne ein paar Nationen mehr auf dem Podium. Tatsächlich haben Italiener, Österreicher, Russen und Nordamerikaner Boden gut gemacht. Eingeholt sind die Deutschen aber noch lange nicht.
Unsere Prognose:
Drei bis vier Goldmedaillen, dazu je eine weitere im Frauen-Wettbewerb und bei den Doppelsitzern.