Die deutsche Handball-Pleite

Prokops Anteil

von Redaktion

Es gab Zeiten, da war Handball hierzulande eine ganz große Nummer. Eine mediale Attraktion. 2007, als Deutschland die Heim-WM gewann, erreichte die TV-Quote einen Jahres-Spitzenwert (16 Millionen). Der massive Zuspruch offenbarte, was für ein Potenzial an Unterhaltungswert diese Sportart doch birgt. Allein schon so gesehen wurde nun beim EM-Turnier eine ganz große Chance verpasst. Schlimmer noch: Man kann nur hoffen, dass die von einer Blackout-Serie geprägte Leistung beim 27:31 gegen Spanien keine nachhaltig abschreckende Wirkung auf das Publikum hat (immerhin taten sich knapp 6 Millionen diese Partie an).

Das vorzeitige Aus gegen Spanien war der Tiefpunkt einer insgesamt enttäuschenden EM-Performance. Nur zwei von sechs Spielen konnten die Deutschen gewinnen, wurden Neunter – und das als Titelverteidiger, dessen Kader als hochkarätig bestückt galt. Unweigerlich stellt sich da die Frage: Welchen Anteil trägt Trainer Christian Prokop an der Pleite?

Der international unerfahrene Coach hatte ja schon durch seine Kadernominierung die ersten Kritiker aktiviert und sich unnötig unter Druck gesetzt. Nur schwer nachvollziehbar war vor allem, dass er Abwehrchef Finn Lemke aussortierte – und damit einen Großteil des Teams schockte. Eine Maßnahme, die er nach nur zwei Spielen revidierte, indem er den Defensivspezialisten zurückholte. So richtig stabilisiert hat sich das deutsche Team aber das ganze Turnier über nicht. Und Prokop erweckte dabei nicht den Eindruck, als sei er bei seinem ersten Großeinsatz als Bundestrainer imstande, für Beruhigung und Ordnung im Spielsystem zu sorgen. Michael Roth, Trainer des Bundesligisten MT Melsungen, befand gar: „Man muss kein Handball-Fachmann sein, um zu sehen, dass es zwischen Trainer und Mannschaft nicht richtig gepasst hat.“

Die Handball-Fachmänner des Verbandes sehen es jedoch anders. Vizepräsident Bob Hanning stellte sich uneingeschränkt vor Prokop. Der angeschlagene Coach bekommt also noch eine Chance. Doch die muss er dann nutzen. 2019 findet die WM in Deutschland und Dänemark statt. Erklärtes Ziel ist eine Medaille. Ob sie Prokop wird liefern können? Derzeit ist das nur schwer vorstellbar.

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