50+1 kommt offiziell auf den Prüfstand

von Redaktion

DFL zeigt sich nach Kinds Vorstoß gesprächsbereit – zumindest eine teilweise Öffnung für Investoren rückt näher

VON LARS REINEFELD UND ERIC DOBIAS

Frankfurt – Ob Martin Kind die Mehrheit am Bundesligisten Hannover 96 übernehmen darf, bleibt auch nach der DFL-Tagung gestern weiter offen. Der Boss der Niedersachsen lässt seinen Antrag auf eine Ausnahme von der 50+1-Regel ruhen. Die Ligaspitze plädiert stattdessen für eine Grundsatzdebatte über die Vorschrift. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten rund um 50+1:

-Was bedeutet der Vorschlag der DFL-Spitze?

Noch begrenzt die 50+1-Regel den Einfluss externer Investoren bei einem Klub. Die Ligaspitze ist angesichts der zahlreichen internen und öffentlichen Diskussionsbeiträge von Klub-Vertretern in den vergangenen Tagen und Wochen nun aber zu dem einstimmigen Ergebnis gekommen, die Regel innerhalb der DFL auf den Prüfstand zu stellen. Dabei soll erörtert werden, in welchem Maß die Profivereine in der Zukunft eventuell die Tür für potente Geldgeber aus dem In- und Ausland öffnen wollen.

-Wer könnte die 50+1-Regel kippen?

Für eine eventuelle Neuregelung müsste die DFL-Satzung geändert werden. Darüber kann nur die Mitgliederversammlung der 36 Profivereine entscheiden.

-Die 50+1-Regel – was ist das überhaupt?

Die in den DFL-Statuten verankerte Regel sieht vor, dass die Stammvereine nach einer Ausgliederung der Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft immer noch die Mehrheit der Stimmanteile besitzen müssen. Eine Ausnahmegenehmigung davon erteilt die DFL nur, wenn ein Unternehmen oder eine Privatperson einen Verein mehr als 20 Jahre ununterbrochen und in einem hohem Maße gefördert haben. Dieses Maß war bei Dietmar Hopp und seiner TSG Hoffenheim zum Beispiel gegeben.

-Und bei Kind?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Kind hat in seinem bereits im Herbst des vergangenen Jahres eingereichten und am Montag überraschend zur Ruhe gestellten Antrag genau aufgelistet, wie viel Geld er seit 1997 in den Klub gesteckt hat. Öffentlich machen will er die Gesamtsumme aber erst nach der DFL-Entscheidung, die nun vertagt ist.

-Ist ein juristischer Streit, der bei einer Ablehnung des Antrages durch die DFL-Spitze gedroht hatte, nun vom Tisch?

Davon ist erst einmal auszugehen. Kind, der für den Fall des Scheiterns mehrfach den Gang vor ein ordentliches Gericht angekündigt hatte, dürfte zunächst abwarten, wohin die Reise in der DFL geht. Klar ist: Ein langer juristischer Streit ist nicht im Interesse des Profifußballs.

-Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Denkbar wäre eine teilweise Öffnung für Investoren, ohne dabei die Mitbestimmung der Vereine in Frage zu stellen. Das würde mehr Geld bedeuten und die Bundesliga in die Lage versetzen, international auf Augenhöhe mit den Topligen zu bleiben. „Niemand will einen komplett freien Markt, in dem sich Investoren austoben und bedienen. Populistische Phrasen und das Ignorieren juristischer Risiken sind aber auch keine zukunftsfähige Lösung“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert unlängst.

-Wie steht der Rest des deutschen Profifußballs zu der 50+1-Regel?

Die Klubs sind in dieser Frage gespalten. Es gibt Hardcore-Gegner einer Aufweichung dieser Regel, wie zum Beispiel Andreas Rettig vom Zweitligisten FC St. Pauli. Es gibt aber auch Vereinsvertreter, die die Regel für nicht mehr zeitgemäß halten. „Deshalb wartet ja auch jeder auf den Tag, an dem irgendetwas passiert und das geklärt wird“, sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel.

-Wie lautet die Meinung des Branchenführers FC Bayern?

Der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erklärte erst kürzlich erneut, er habe kein Problem damit, wenn jeder deutsche Klub in der 50+1-Frage für sich selber entscheiden könne. Sogar wenn die umstrittene Regelung in Deutschland fallen würde, gäbe es von ihm keine Einwände. „Bei uns ist statuarisch festgelegt, dass 70 Prozent der Anteile beim Verein bleiben müssen. Insofern ist beim FC Bayern eine Aufhebung der 50+1-Regel kein Thema“, sagte er weiter..

-Wie sieht es im Ausland aus?

Die 50+1-Regel ist ein deutsches Phänomen. Im Ausland gibt es eine solche Beschränkung nicht. Weshalb vor allem im England viel mehr Geld von ausländischen Investoren im System ist.

Artikel 1 von 11