Augsburg – Von Sonntag auf Montag war alles egal. „Ich kann nach Spielen eh schlecht schlafen“, erklärte Michael Gregoritsch vom FC Augsburg im Anschluss an das 3:0 gegen Eintracht Frankfurt offen, dass er sich nicht vor dem nächsten Morgengrauen zu Bette begeben würde. Der Österreicher hatte „meine vier besten Freunde“ eingeladen. Das Programm: Erst Fußball im Stadion, dann Football von der Couch aus. Super Bowl-Party.
Gebilligt vom FC Augsburg. Wobei: Eine durchwachte Nacht ist schon auch ein kleines Risiko. Schließlich wartet bereits am Freitag die nächste Aufgabe, das ist fast schon Europapokal-Rhythmus, der wenig Regenerationszeit lässt. Der FCA muss nach Leipzig, das wird auch wieder so ein Spiel, in das man viel investieren muss. Diesmal vielleicht Coolness, Unaufgeregtheit – denn mit Emotion wird schon der Gegner aufwarten. Das Hinspiel hatte Leipzig 0:1 verloren, Trainer Ralph Hasenhüttl war von FCA-Kapitän Daniel Baier mit einer obszönen Geste bedacht worden, was undiplomatische Verwicklungen zwischen den Klubs, die einander eh feind sind, nach sich zog und für den Augsburger eine Geldstrafe von 20 000 Euro, ausgesprochen von der DFB-Gerichtsbarkeit. Baier wird sich auf was einstellen müssen in Leipzig.
Auf dem Papier wieder eine klare Sache – für den Gegner. Doch das kennen die Augsburger schon, so war es vor der Begegnung mit Frankfurt ja auch. Die Eintracht kam als das nach den Bayern heißeste Team – mit dem offensichtlich begehrtesten Trainer des deutschen Fußballs. Noch am Vormittag im „Doppelpass“ hatte Bruno Hübner, der Sportdirektor des Klubs, darauf verwiesen, dass man sicher sei: „Niko wird seinen Vertrag erfüllen.“ Und folglich nicht zu den Bayern wechseln. Am Samstagabend hatte auch Eintracht-Präsident Peter Fischer das Hohelied auf Kovac gesungen, und es wurden bewegte und bewegende Bilder gezeigt, wie der Trainer neulich zum Mitglied auf Lebenszeit ernannt worden war.
So viel heile Welt vermochte der FC Augsburg nicht zu bieten. Er hatte plötzliche Verletzungsfälle (Finnbogason, Gouweleeuw), sah sich genötigt, seinen Stammrechtsverteidiger Opare zu feuern (wechseln kann er derzeit noch in die Schweiz, nach Russland oder China), in der Winterpause hatte Manager Stefan Reuter aus dem übervollen Kader schon zehn Spieler wegtransferiert – und Daniel Baier stellte fast erschrocken fest, „dass in der Kabine statt 40 Leuten auf einmal nur noch 20 waren“. Vergessene Kadermitglieder wie Christoph Janker und Shawn Parker rückten auf die Bank.
Und dennoch: Der FCA gewann 3:0, ist Siebter und nur einen Punkt weg von einem Platz im europäischen Wettbewerb und von Eintracht Frankfurt und nur drei von der Champions League.
Was das alles bedeutet? „Dass Dieter Hecking Recht hat“, sagt Daniel Baier. Er zitierte den Mönchengladbacher Trainer, der nach dem 2:0-Erfolg gegen Augsburg vor zwei Wochen erklärt hatte, „dass in der Bundesliga jedes Spiel kompliziert geworden ist“.
So sieht es auch Niko Kovac: „Die Realität in der Bundesliga ist, dass man Woche für Woche in der Bundesliga hart arbeiten muss. Die Euphorie, die bei uns entstanden ist und die gerade in Augsburg entsteht, ist Wunschdenken.“ Er verweist darauf, dass „bis auf die letzten drei Spieltage wir immer mit nur einem Tor gewonnen oder verloren haben“.
Lediglich „+3“ beträgt die Tordifferenz der Eintracht, „+6“ hingegen die des FC Augsburg, dem gegen die Frankfurter auch 37 Prozent Ballbesitz genügten, um zu mehr als doppelt so vielen Torschüssen zu kommen. Und zu einem Sieg, den sich die Schwaben so erklärten. „Was wir einige Male über 45 Minuten gespielt haben, konnten wir 90 Minuten durchziehen“, so Michael Gregoritsch – ehe er sich zur Privatparty aufmachte.