Noch ein olympischer Zyklus

von Redaktion

Vor der Abreise nach Pyeongchang verlängert Marco Sturm seinen Bundestrainer-Vertrag bis 2022

Von Günter klein

Füssen – Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft gibt zu: Sie betreibt Wahlbeeinflussung.

Es ist ja so, dass einer ihrer Spieler, Verteidiger Christian Ehrhoff (Köln), der zum vierten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen wird, auf der fünf Namen führenden Kandidatenliste für den deutschen Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier steht. Es ist eine Online-Wahl. Und die Eishockeyspieler klicken und klicken, über alle Endgeräte und Browser. Marco Sturm, 39, sagt: „Ich habe per Mail noch alle angewiesen. . .“ Ehrhoff wählen!

Sturm hat die 25 nominierten Spieler im Füssener Bundesleistungszentrum um sich versammelt. Am Samstag gewährte er noch einen „Wellnesstag“, am Sonntag wurde hart trainiert: zwei Einheiten. Heute reist man nach Kloten zu einem letzten Testspiel gegen die Schweiz (18.30 Uhr), für Sturm eine „mögliche Überraschungsmannschaft in Pyeongchang“. Gestern gab es noch die Neuigkeit, dass Sturm über diese Saison hinaus deutscher Eishockey-Bundestrainer bleiben wird. „Wir haben uns auf vier Jahre Zusammenarbeit geeinigt, um Kontinuität zu wahren und den Spielern ein Signal zu geben“, sagte Verbandspräsident Franz Reindl, der den Ex-NHL-Star Sturm 2015 als Trainerneuling verpflichtet und auch noch zum General Manager gemacht hatte.

„Beide Seiten wollten es“, meint Sturm, der nun also bis 2022, den kommenden olympischen Zyklus, im Amt bleiben wird. Seine Vorstellung ist, „dass wir mehr junge deutsche Spieler in die Liga bringen. Doch kontrollieren können wir nur unseren U-Bereich. Alles andere liegt bei der Liga.“

Vertiefen will der Landshuter das Thema Vertragsverlängerung nicht, er konzentriert sich auf das Olympiaturnier. Das erste seit 1994, das wieder ohne NHL-Spieler stattfindet. Einerseits herrscht darüber großes Bedauern, doch ebenso sieht man Chancen auf eine gute Platzierung. Man werde „nicht auf kanadische und amerikanische All-Star-Mannschaften treffen“, so Sturm, und näher dran sein an Teams „aus größeren Eishockey-Nationen als uns“. Auf zwei Granden trifft man in den ersten Vorrundenspielen am 14. und 15. Februar: Finnland, Schweden. Dritter Kontrahent ist Norwegen.

„Ich find’ den Modus super“, sagt Yasin Ehliz, für Nürnberg spielender Tölzer. Selbst wenn man die drei Partien in der Gruppe verlöre – es geht weiter. Die drei Gruppensieger und der beste Zweite sind fürs Viertelfinale qualifiziert, die anderen acht Teilnehmer ermitteln vier weitere Mannschaften.

Kapitän wird Marcel Goc sein, einer aus der großen Mannheimer Fraktion (sechs Spieler), die den unerquicklichen DEL-Alltag (Trainerwechsel, Krise, Platz zehn) hinter sich lassen kann. „Das legen wir ein paar Tage auf die Seite“, sagt der frühere NHL-Profi. Verlustieren will er sich, bis das Eishockey-Turnier losgeht, mit so vielen olympischen Eindrücken wie möglich: „Ski würde ich gerne sehen. Beim Bob war ich noch nie live. Aber eigentlich interessiert mich alles.“ Die ersten Tage lässt Marco Sturm seiner Truppe touristisch freien Lauf, dann aber fordert er volle Fokussierung auf die Spiele.

Eine Aufgabe, die den Eishockeyspielern zufallen wird, ist die, den Stimmungskern in der gesamten Olympia-Mannschaft zu bilden. „Das war früher so“, erzählt Franz Reindl, der zu den Bronzemedaillengewinnern von 1976 zählt, „und auch in Turin und Vancouver. In Sotschi waren wir ja leider nicht.“ Nicht qualifiziert, das war bitter.

So haben nur drei (Goc, Ehrhoff, Torwart Endras) der 25 deutschen Spieler Olympia-Erfahrung. Den anderen muss man es also sagen, dass sie die lustigen Kerle im Olympische Dorf sein werden. Einverstanden, signalisiert Yasin Ehliz. „Wir haben untereinander extrem viel Spaß. Du stehst in der Früh auf und bist schon am Lachen.“

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