Garmisch-Partenkirchen – Gestern startete Viktoria Rebensburg vom Münchner Flughafen Richtung Pyeongchang zu ihren dritten Olympischen Spielen. Los geh‘s für sie beim Riesenslalom am kommenden Montag in der Früh (MEZ). Am vergangenen Wochenende beim Weltcup in Garmisch-Partenkirchen sprach die 28-Jährige aus Kreuth über . . .
. . . die Belastung, als Gold-Favoritin im Riesenslalom zu starten – im Gegensatz zu 2010 in Vancouver, als sie aus dem Nichts Olympiasiegerin wurde:
„Für mich ist das, so banal es klingt, ein Rennen wie jedes andere. In der Vorbereitung ist wichtig, nichts anders zu machen als sonst. Mein Ziel ist es erstmal, geil Ski zu fahren. Wenn das gelingt, kann ich auch um Medaillen mitfahren. Wenn ich das nicht mache, kann ich mir vorher noch so viel wünschen – dann passiert es nicht.“
„Am 12. Februar kann wirklich alles passieren“
. . . über ihre Paradedisziplin:
„Wenn man sich die Riesenslaloms heuer anschaut: Es war immer ein ziemlicher Fight, teilweise richtig eng. Es ist einfach die Disziplin mit der größten Dichte, die ersten Sieben fahren auf ziemlich gleichem Niveau. Wenn da eine einen guten Tag hat und zwei Läufe raushaut, dann kann am 12. Februar wirklich alles passieren.“
. . . den möglichen Vorteil, dass der Riesenslalom diesmal gleich zur Beginn im Programm steht:
„Ich denke schon, dass es ein Vorteil ist. Ich kann mich gleich am Anfang gut auf den Riesenslalom vorbereiten, sonst muss man immer einen Spagat finden zwischen Abfahrt und Riesenslalom-Training So wie diesmal finde ich es cool.“
. . . die Möglichkeit, dass ein Erfolg im Riesenslalom Kräfte freisetzen könnte für die Speeddisziplinen?
„Das könnte durchaus so sein. Aber ich bin ein Mensch, der alle Dinge Schritt für Schritt angeht.“
„Im Dorf das olympische Flair aufsaugen“
. . . die Abfahrtsstrecke in Jeongseon:
„Sie ist sehr breit, mit vielen Wellen, vielen Sprüngen, weitgezogenen Kurven, da ist wirklich alles drin. Eine richtig schöne Abfahrt. Ich würde sagen, dass sie eher den Abfahrerinnen zugute kommt. Was ich gehört habe: Es soll derzeit extrem kalt sein.“
. . . über die Umstellung auf die Kälte in Südkorea:
„Grundsätzlich ist das eine Schneeart, die ich gerne mag. Wir müssen für den Fall der Fälle, was das ganze Material angeht, auf minus 20 Grad vorbereitet sein. Das hatten wir heuer die ganze Saison noch nicht. Ich werde schon zwei Garnituren Ski-Unterwäsche mitnehmen (lacht) – und Wärmesocken.“
. . . die Unterkunft. In den ersten zehn Tagen wohnt Rebensburg im Olympischen Dorf in Pyeongchang, zieht dann um nach Jeongsong, wo die Speedrennen stattfinden:
„Vor vier Jahren in Sotschi habe ich festgestellt, wie schön das eigentlich war, im Dorf zu wohnen. Das ist wie früher in der Schule, wenn man ins Landschulheim fährt. Da laufen alle Nationen rum: Die jamaikanischen Bobfahrer haben auf der Straße Schnelligkeit trainiert, Norioki Kasai (Skispringer/d.Red.) saß vor mir im Gym auf dem Radl, in voller Ausrüstung. So schlank – grad dass er nicht vom Radl gefallen ist. Das genau macht Olympische Spiele aus. Es ist cool, dass wir wieder die Chance haben, dieses Flair im Dorf aufzusaugen.“
. . . den Stellenwert von Olympia nach all seinen Skandalen – von Doping bis Vergabe-Gemauschel:
„Natürlich gibt es Punkte, über die sich das IOC mal Gedanken machen sollte. Aber ich fliege da jetzt rüber, und da steht für mich im Fokus, was mich da erwartet.“
„Muss viel passieren, dass ich noch nach Peking fahre“
. . . die Frage, ob Pyeongchang ihre letzten Olympischen Spiele sind?
„Definitiv. Es müsste schon viel passieren, dass ich in vier Jahren auch noch zu den Spielen nach Peking fliege.“
. . . die gewöhnungsbedürftige Küche in Korea, wo das Getier manchmal vom Teller zu kriechen versucht:
„Manches wird man nicht auf meinem Teller finden, vielleicht am Schluss der Spiele, wenn’s eh egal ist. Ich kann mich erinnern, letztes Jahr hat es dort mal so kleine frittierte Stäbchen gegeben. Es hat wie Algen ausgeschaut. Dann sagt eine Kollegin: ,Das sind doch lauter kleine Fischchen!‘ Plötzlich haben mich da gefühlte tausend Augen von meinem Teller angeschaut – der Teller war dann gleich mal am nächsten Tisch . . . Aber im Olympischen Dorf gibt es die ,world cuisine‘ – ganz nach unseren Essgewohnheiten.“
Aufgezeichnet: Jörg Köhle