Eishockey

„Bei uns braucht man keinen DNA-Test“

von Redaktion

Zum vierten Mal: Ein Krupp bei Olympia, nun debütiert Junior Björn – Fortschritt dank strenger Trainer

Da waren manche überrascht: Björn Krupp ist an etablierten Verteidigern (wie Justin Krueger und Konrad Abeltshauser) vorbei ins Olympia-Team gezogen. Er ist der zweite Krupp bei den Spielen. Vater Uwe, erster deutscher Stanley-Cup-Sieger, war 1998 in Nagano, wo erstmals NHL-Profis mitwirkten, als Verteidiger dabei, 2006 und 2010 in Turin und Vancouver trainierte er das deutsche Team. Sohn Björn, 26, hat noch kein großes Turnier mit der Nationalmannschaft gespielt.

-Auf zu Olympia – was sagt man im Hause Krupp dazu?

Schon ’ne Ehre, muss ich sagen, mein Vater war ja auch schon da. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es irgendwann mal schaffe.

-Warum nicht?

Olympia ist das höchste Niveau, der Traum. Meine Eishockey-Karriere war immer von Schritt zu Schritt, eine Entwicklung, ich wollte immer nur einen guten Stand in der Mannschaft haben. Auf einmal kam ins Spiel, dass man für die Nationalmannschaft in Frage ausgewählt wird. Man hat keinen Einfluss darauf: Wenn der Trainer was in einem sieht, nimmt er dich. Ich habe mich auf mich konzentriert, und auf einmal, jetzt, kommt die Gelegenheit, den Schritt zu machen.

-Berufen wurden Sie einige Male ins Auwahlteam, doch im Lauf der Vorbereitung auf Turniere wie die WM immer wieder aussortiert. Wie kriegt man es hin, nicht unwiderruflich beleidigt zu sein?

Ich bin immer so in diese Situationen reingegangen: Ich gebe mein Bestes, spiele mein Spiel, und wenn es nicht reicht oder der Trainer was anderes braucht, dann muss ich damit leben. Da kann man nicht beleidigt sein. Im Sport wird man jeden Tag getestet. Es ist am besten, wenn man nach einer Enttäuschung abschaltet und sich wieder neu konzentriert.

-Sie waren lange unter der Trainerregie Ihres Vaters in Köln. Als er dort entlassen wurde, konnten Sie schlecht bleiben und sind nach Wolfsburg gewechselt. Das scheint Ihnen aber gutgetan zu haben.

Ja. Ich bin zu Pavel Gross gegangen, und in meinem ersten Jahr war Mike Pellegrims noch sein Assistent. Man hat ja gesehen, was die mit jungen Spielern gemacht haben. Es war nicht einfach, es ist immer noch nicht einfach, aber in Wolfsburg versuchen sie, alles aus dir rauszuholen. Selbst im Training, da gibt’s nicht 99 Prozent, sondern 100 Prozent. Und selbst an den Kleinigkeiten wird intensiv gearbeitet. Der Pavel ist sehr streng, aber er will dir damit nur helfen, das ist wichtig für mich. Mein Vater ist als Trainer übrigens auch streng.

-Marco Sturm ist bei der Nationalmannschaft aber nicht streng?

Doch, doch. Ich habe ihn noch nicht so lange und kannte ihn noch von früher, wo er kurz noch in Köln gespielt hat. Auf dem Eis ist er aber businesslike.

-Wie oft sagen die Leute zu Ihnen, dass man in Ihrer Art, sich zu bewegen, den Vater erkennt?

Man braucht wirklich keinen DNA-Test. Mich stört’s nicht, dass wir uns in vielem ähnlich sind. Ich habe nie versucht, mich so zu bewegen wie er, ich bin, wie ich bin. Und stolz, ihn als Vater zu haben, er hat mir Sachen gezeigt, nicht nur im Eishockey, die mich zu der Person haben werden lassen, die ich bin.

-Wie ist es jetzt, wenn Sie mit Wolfsburg gegen Uwe als Trainer der Eisbären Berlin spielen?

Dann ist es ein Familienderby. Es geht schon hin und her. Nach dem Spiel sagen wir kurz hallo.

-Hat Uwe Ihnen aufgetragen, was Sie aus Pyeongchang mitbringen müssen?

Er hat gesagt: Genieße es einfach, es ist eine Supergelegenheit, was Neues zu sehen.

-Deutschland hat mit Finnland, Schweden, Norwegen eine schwere Gruppe erwischt.

Es ist ein Top-Niveau, jede Mannschaft kann die andere schlagen. Es sind die besten Spieler außerhalb der NHL dabei- Beim Deutschland-Cup im November haben wir die USA besiegen können.

-Sie sind in den USA aufgewachsen, waren im Nachwuchsprogramm von US Hockey. Irgendjemand von früher, den Sie in Südkorea wiedertreffen werden?

Ein Torwart der USA ist ein alter Bekannter. Was mir wieder zeigt: Die Eishockey-Welt ist klein.

Das Interview führte Günter Klein

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