Der Fußball während Olympia

Im Schatten der „anderen“

von Redaktion

Der gemeine Bundesligist hat ja wirklich einen straffen Jahresplan. Von August bis Juni ist Saison, in der Urlaubszeit zwischendrin und hinterher Transferfenster, alle zwei Jahre ein Turnier – und dann müssen ja noch Trainingslager- oder PR-Fernreisen bestritten werden. Übersetzt heißt das: 365 Tage fällt im Fußball etwas an, das mindestens von Teilen der Medien als berichtenswert eingestuft wird. Für den Sport ist das Fluch und Segen zugleich. Immer was los, sagen die einen. Zu viel Fußball, viele andere.

Auch in den kommenden beiden Wochen sind die Sportinteressierten in zwei Lager gespalten: Diejenigen, die sich freuen, dass 17 Tage lang mal andere Athleten im Fokus stehen als die volltätowierten und steinreichen Fußball-Profis. Und diejenigen, denen schon ab Samstagvormittag zu viel Wintersport im Fernsehen läuft. So oder so wird sich der Fußball aber gut zwei Wochen des Jahres hinten anstellen müssen. Hinter grazilen Eiskunstläufern, beinharten Eishockey-Spielern, rasanten Kufenflitzern, multitaskingfähigen Biathleten und anderen.

Zweifellos steht fest: Es wird auch über diese Sportler viel zu berichten geben. Erfolgsmomente und Tragödien – vor allem Geschichten, die noch nicht jeder kennt. Und wenn man ganz ehrlich ist, ist das, was in der Bundesliga derzeit passiert, auch sowieso nur minder spannend. Man muss kein Prophet sein für die Prognose, dass der FC Bayern – wenn das Olympische Feuer Ende Februar erlischt – aller Voraussicht nach mehr als 20 Punkte Vorsprung an der Tabellenspitze haben wird. In München bereitet man sich während Pyeongchang auf die Meister-Entscheidung vor, die dann kurz später anstehen wird.

Wie schön wäre es, wenn wenigstens auf den Plätzen dahinter mal jemand in die Puschen kommen würde. Aber der bisherige Saisonverlauf spricht leider nicht dafür, dass im Schatten von Pyeongchang ein „Verfolger“ einen Lauf startet. Das Schneckenrennen um den Platz hinter den Bayern langweilt seit Monaten. Ob Dortmund (Spieltag 10), Leipzig (11, 13-15, 18), Schalke (12, 16-17) oder Leverkusen (19-20) da standen – sie alle schlitterten spätestens von Rang zwei aus in eine Krise. Immerhin gut für alle Fans, die sich ab morgen zwei Wochen Bundesliga-Auszeit gönnen: Wer am 26. Februar Zweiter ist, ist eine Überraschung.

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