München – Jupp Heynckes hätte ein paar Torschützen mit Extralob überschütten können, aber er entschied sich am Dienstagabend in Paderborn für einen einzigen. „Er hat das ganz cool abgeschlossen, wie ein Torjäger“, sagte der Bayern-Trainer über Joshua Kimmich, der einen Zuckerpass von Mats Hummels zum 3:0 und seinem ersten DFB-Pokaltor (im 15. Einsatz) verwertet hatte. Hummels und Kimmich, richtig, das sind Abwehrspieler, die eigentlich nicht unbedingt für schön rausgespielte Tore in Co-Produktion stehen. „Für Joshua“, fügte Heynckes an, „freut es mich besonders“.
Kimmich ist im Kader des FC Bayern ja so etwas wie „Everybody’s Darling“ und die personifizierte Zukunfts-Hoffnung in einem. Einer, der so gut wie immer spielt und das so gut wie immer auch solide tut. Sieben Vorlagen und ein Treffer sind ihm bisher in der Liga gelungen. Gute Werte für einen Rechtsverteidiger, die sicherlich auch für die Tendenz im Bayern-Spiel sprechen, die Kimmich nach dem 6:0 in Paderborn treffend feststellte: „Bei uns ist jeder in der Lage, ein Tor zu machen oder vorzubereiten. Natürlich zeigt das die Qualität in der Breite des Kaders.“
Fünf Schützen waren es am Dienstag in dieser Partie gegen den Drittliga-Tabellenführer, die vom Ergebnis her eindeutig wirkte und trotzdem anders interpretiert wurde. Zum einen, weil Paderborn wirklich tapfer gekämpft, sich bis zur letzten Sekunde nicht aufgegeben hatte und von allen Seiten – auch von den Bayern – überschwänglich gelobt wurde. Und zum anderen, weil auch die Bayern abgesehen von den zahlreichen Toren nicht bis zum Ende makellos agierten. Zahlreiche Konzentrationsfehler führten dazu, dass die Partie sich in der Endphase in beiden Strafräumen abspielte. 18:12 Torschüsse für die Gäste wies die Statistik am Ende aus. Ein Pfostentreffer und einige Großchancen hatte Paderborn in der zweiten Hälfte ungenutzt gelassen.
Auf das Ergebnis und den verdienten Einzug ins Halbfinale (das am Sonntag ausgelost wird) hätte ein Ehrentreffer freilich keine Auswirkungen mehr gehabt. Und trotzdem wurmte der Auftritt vor allem die Abwehrspieler. „Das müssen wir als Team besser machen, da muss eine bessere Kommunikation stattfinden“, schimpfte Niklas Süle, der die gesamte, teils so locker und leicht wirkende Partie als „hartes Stück Arbeit“ zusammenfasste. Die „schlechte Phase in der zweiten Halbzeit“ war auch dem Innenverteidiger nicht entgangen, „zu viele Unkonzentriertheiten“ machte er als Gründe aus. „Zu wenig für das Spiel in der Rückwärtsbewegung zu tun“, könne in anderen Wettbewerben härter bestraft werden.
Nach einem 6:0 lange zu meckern, mag unpassend sein. Die vier Gegentore, die die Bayern zuletzt gegen Bremen (5:2) und Hoffenheim (4:2) bekommen hatten, hatten aber schon zum Nachdenken angeregt. Auf Top-Niveau ist der Rekordmeister noch nicht. Wohl auch deshalb hat Heynckes sich einen einzigen für seine Lobeshymne rausgeholt. Das Kollektiv ist offensiv gut, muss aber defensiv besser werden. hlr