Pyeongchang – Es war eine Reise mit mehreren Pannen gewesen, ehe Eric Frenzel gestern endlich im Deutschen Haus von Pyeongchang zur Pressekonferenz eintraf. Erst war der Flieger in München defekt, dann kam in Seoul der Zug nicht. Am Ende waren’s sieben Stunden Verspätung. 26 Stunden dauerte die Odyssee insgesamt.
Die Reisestrapazen waren dem Nordischen Kombinierer aber nicht anzumerken. Freudestrahlend präsentierte er sich im Deutschen Haus, wo er mit Ovationen empfangen wurde. Zwar war bereits tags zuvor durch eine Indiskretion durchgesickert, dass der 29-Jährige heute bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (20.00 Uhr Ortszeit/12.00 Uhr MEZ) die deutsche Mannschaft als Fahnenträger anführen würde. Doch die offizielle Präsentation empfand der Auserwählte auch ohne Überraschungseffekt als besonderes Ereignis: „Es ist einfach großartig“, sagte er. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), befand: „Eric ist eine Leitfigur.“
Es hatte ja insgesamt fünf Kandidaten für die prominente Rolle beim Einzug der Nationen gegeben. Mit 31,4 Prozent siegte Frenzel aber relativ klar vor der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (24,5), dem Eishockeyspieler Christian Erhoff (18,7), der Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (16,7) und Rodlerin Natalie Geisenberger (8,7). „Jede und Jeder der fünf Nominierten wäre in jeder Hinsicht ein hervorragender und würdiger Fahnenträger gewesen. Auch wenn es letztlich nur einer werden konnte, haben alle fünf gewonnen“, meinte Hörmann.
Das Votum setzte sich aus den Stimmen der deutschen Olympiateilnehmer und einer unbegrenzten Zahl von Sportinteressierten zusammen, die sich via Internet beteiligten. Das Ergebnis erfuhr Frenzel – Olympiasieger von Sotschi, fünffacher Weltmeister und fünffacher Gesamtweltcupsieger – schon am Sonntag per Telefon. Seine erste Reaktion: „Mir blieb die Spucke im Hals stecken.“
Frenzel ist der erste deutsche Nordische Kombinierer seit 38 Jahren (Urban Hettich), der als Fahnenträger auserkoren wurde. „Das macht mich auch für meine Sportart stolz“, sagte er. Der Blick auf seine eher dünnen Oberarme schreckt Frenzel nicht: „Vielleicht übe ich kurz vor dem Einmarsch noch einmal das Schwenken der Fahne. Aber ich hoffe doch sehr, dass ich das ganz gut mache.“
Ob er der früheren Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch nacheifern wolle, die als Fahnenträgerin vor vier Jahren in Sotschi Gold holte? Frenzel meinte da lachend: „Ich habe keine Hellseherkugel.“ Allerdings machte er keinen Hehl daraus, sich doch einiges vorgenommen zu haben: „Ich fühle mich bereit und in guter Verfassung.“ Gerade das Training der letzten Woche habe da noch einiges bewirkt: „Ich habe im Springen einen Sprung nach vorne gemacht. Das stimmt mich optimistisch.“
Zackige Zuversicht demonstrierte auch Verbandschef Hörmann: „Nun wird sich das Team D hinter dem Vorzeige-Athleten Eric Frenzel versammeln und den unabdingbar notwendigen Mannschaftsgeist entwickeln.“ Auf der Fahrt durch die Region der Winterspiele hat Hörmann zudem bereits eine vielversprechende Beobachtung gemacht: „Das olympische Gefühl ist in Pyeongchang wach geworden.“ Schöne Aussichten also.