Auf den ersten Blick wirkt Eric Frenzel nicht unbedingt wie ein Supermann, der den deutschen Sport strahlkräftig verkörpern könnte. Der schmale Thüringer bevorzugt die leise Zurückhaltung, es nicht seine Sache, sich groß ins Rampenlicht zu schieben. Der Nordische Kombinierer ist mehr der Inbegriff des Understatements als der triumphale Held. Doch seiner Qualifikation als deutscher Fahnenträger, als Vorzeigesportler dieser Winterspiele tut dies sicher keinen Abbruch. Frenzel ist ja nicht nur ein feiner Kerl, sondern in seinem schmächtigen Körper steckt auch ein großartiger Sportsmann – ein Vorbild also in jeder Hinsicht.
Vielleicht kommt seine sympathische Unauffälligkeit auch daher, dass er schon früh die Erfahrung machte, dass Medaillen nicht alles sind. Mit 18 wurde er bereits Vater, vergangenes Jahr kam die kleine Emma – das dritte Kind – zur Welt. Als Familienvater lernte er früh, Verantwortung zu übernehmen, in seinem Leben auf zwei Prioritäten zu setzen. Auf Familie und Sport. Frenzel ist gut damit gefahren, er wurde fünffacher Weltmeister, Olympiasieger in Sotschi – wo er nicht auf Partys gesehen wurde, sondern Arm in Arm beim Spaziergang mit seiner Frau. Man kann es nicht anders sagen: Der Fahnenträger Frenzel ist eine gute Wahl.
Dabei war er nicht einmal der Favorit gewesen. Sondern die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Sie war vom höchsten deutschen Sportfunktionär, DOSB-Präsident Alfons Hörmann, ins Spiel gebracht worden. Dessen Fürsprache zielte auf den tatsächlich unbändigen Kampfgeist der Berlinerin, die mit fast 46 Jahren immer noch Weltklasseleistungen vollbringt. Diese Wertschätzung ließ aber völlig außer Acht, dass Pechstein schon seit langem eine Reizfigur ist. Nicht nur wegen ihrer umstrittenen Dopingsperre (sie ist ja bis heute nicht restlos rehabilitiert).
Die Dauerläuferin verstand sich auch stets als Ich-AG, setzte ihre Ellenbogen ein, lieferte sich eine über ein Jahrzehnt währende Fehde mit der Rivalin Anni Friesinger, zankte sich mit der schließlich resignierenden Rivalin Stephanie Beckert. Pechstein agierte immer nur als widerborstige Einzelgängerin, Frenzel erwarb sich den Ruf des allseits beliebten Teamplayers. Es sprach wirklich alles für den bescheidenen Mann aus Flossenbürgen.