Schlacht in Sicht

von Redaktion

Abfahrt: Dreßen erwartet „ganz enge Geschichte“, in der es nicht zuletzt um kleine Tücken mit fataler Wirkung geht

VON ARMIN GIBIS

Pyeongchang – Die Abfahrtspiste von Jeongseon gehört nicht unbedingt zu den größten Herausforderungen des alpinen Skisports. Es geht zwar zügig hinunter, mit vielen Kurven und Sprüngen; aber Höchstschwierigkeiten, die die Fahrer zwingen, ans Limit zu gehen – wie bei den Klassikern in Kitzbühel oder Wengen – sehen anders aus. „Die Strecke ist nicht gerade spektakulär“, sagte Thomas Dreßen, der Streif-Sieger. Und doch hört sich seine Prognose für das Rennen am Sonntag ziemlich martialisch an: „Das wird mit Sicherheit eine Schlacht geben.“ Seine Begründung: „Hier ist es schwer, schnell zu sein – aber leicht, Zeit zu verlieren. Das wird eine ganz enge Geschichte.“

In diesen Kampf um olympische Medaillen wollen ja auch die Deutschen eingreifen. Aufgrund der exzellenten Resultate dieses Winters sind sie mehr als nur Geheimtipps. „Wir wissen, dass wir gut drauf sind, die Vorfreude ist da“, bekräftigte gestern auch Andreas Sander. Beim ersten Training traten die DSV-Fahrer allerdings noch nicht sonderlich in Erscheinung. Es ging ihnen mehr ums Herantasten an die Eigenheiten des Olympiakurses. Relativ Bester war Sepp Ferstl, der Super-G-Sieger von Gröden, auf Rang 21. Bei seinem Probelauf sammelte der 29-Jährige aber überwiegend positive Eindrücke. „Sehr cool“, fand der Speedspezialist vom SC Hammer die Piste und auch das olympische Fluidum: „Ich freue mich richtig auf das Rennen.“

Teamkollege Dreßen kommentierte seine erste Fahrt eher zurückhaltend. Mit Nummer 1 war er gestartet: „Das ist nie schön. Da ist man der Testpilot“, sagte er. Auch sei der Schnee nicht „so aggressiv“ gewesen wie erwartet, „da hab’ ich mich schwerer getan“. Dass der Mittenwalder ein Tor verpasste, störte ihn allerdings nicht sonderlich. „Im Training kämpft man nicht auf Biegen und Brechen, das bringt nichts.“

Insgesamt zeigte er sich nicht unzufrieden: „Es hat schon gepasst.“ Und vor allem hat der 24-Jährige wichtige Erkenntnisse gesammelt bei der ersten Tuchfühlung. „Man muss hier die richtige Balance finden zwischen: die Ski laufen lassen und nicht zu geradeaus fahren.“ Zudem gelte es, sich mit höchster Konzentration auf der Ideallinie zu bewegen: „Hier darf man sich keinen Fehler erlauben.“

Die Schlacht, von der Dreßen sprach, ist also vor allem eine, in der es darum geht, die vielen kleinen Tücken perfekt zu meistern. Der Österreicher Hannes Reichelt sieht das genauso: „Man muss das Tempo von oben bis unten beibehalten.“ Der dreifache Saisonsieger Beat Feuz (Schweiz) meinte: „Ein Fehler ist definitiv zu viel.“

Für Aksel Lund Svindal, Superstar aus Norwegen, verleitet die Olympiastrecke zur Unterschätzung: „Sie ist ganz ruhig.“ Während die letzten Rennen in Wengen, Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen „nicht so ruhig“ gewesen seien. Seiner Ansicht nach ein Grund mehr, sich voll auf die Präzisionsarbeit zu fixieren: „Du musst hier ganz fein fahren.“ Ob er auch der Ansicht sei, dass hier jeder Fehler fatale Folgen habe? „Was heißt hier Fehler …“, sagte Svindal: „Du darfst dir nicht einmal eine Kleinigkeit erlauben.“

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