München – Wenn ein Berater, von dem man sich nicht mal ganz sicher ist, ob er überhaupt noch zuständig ist, in einer Zeit, in der im Fußball nicht gewechselt werden darf, gerüchteweise Kontakt zu einem Klub hat – dann gibt es freilich genug Spielraum für Spekulationen. Aber man kann sich sicher sein, dass der FC Bayern, als er für gestern einen Medientermin mit Robert Lewandowski anberaumte, das Thema Real Madrid nicht als Tagesordnungspunkt eins vorgesehen hatte. Zwei Fragen waren erlaubt, dann sollte es wieder ums Sportliche gehen. Doch die reichten aus, um den Spekulationsraum noch etwas größer werden zu lassen.
„Ich kenne das sehr gut. Ich höre jedes Jahr die Spekulationen. Diese Gerüchte interessieren mich nicht. Mehr muss ich nicht sagen“, sagte Lewandowski, als es zunächst um die Meldung der spanischen Zeitung „Marca“ ging. In der hieß es am Vortag nämlich, sein polnischer Berater Cezary Kucharski habe den Kontakt zu Real gesucht, um das Interesse seines Klienten an einem Sommer-Wechsel zu hinterlegen. Nicht ganz so schlagfertig war der 29-Jährige, als er direkt danach gefragt wurde, ob Kucharski überhaupt noch als sein Berater tätig sei. „Ja“, sagte er, räusperte sich, murmelte „ich verstehe die Frage nicht“. Der Satz „Cezary Kucharski ist noch mein Berater“ kam erst deutlich später klar und deutlich aus seinem Mund.
Das Berater-Netz von Robert Lewandowski war noch nie so richtig durchsichtig. Hauptverantwortlich ist der Deutsche Maik Barthel, Kucharski war stets der Partner aus dem Heimatland – und beide waren schon immer auch Männer fürs Grobe. Lewandowski selbst hat sich schon bei seinem Wechsel aus Dortmund nach München loyal verhalten, für verbale Vorstöße waren stets Barthel/Kucharski zuständig. Wie man nun munkelt, soll aus dem Duo eine One-Man-Show geworden sein. Kucharski soll zwar einen Draht zu den Real-Bossen haben, aber nicht mehr zum Stab um Lewandowski gehören.
So oder so: Dieses Thema schwingt seit Jahren mit, und es wird auch den Rest der Saison mitschwingen, an deren Ende es wieder heißen wird: Bleibt er oder geht er? Lewandowskis Vertrag bei den Bayern ist bis 2021 datiert, nur: Was gelten derartige Schriftstücke im heutigen Fußball überhaupt noch?
Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass der Torjäger, im Sommer 30 Jahre alt, gerne bei den Spaniern spielen würde, um sich seinen Traum vom Champions League-Titel zu verwirklichen. Er sieht sich – leistungstechnisch zurecht – als Weltstar und die alternde Bayern-Mannschaft nicht unbedingt als Weltklasse-Team. Bedenken über die Kaderzusammenstellung hatte er bereits vor der Saison öffentlich im unautorisierten „Spiegel“-Interview hinterlegt. Über die aktuellen Chancen in der Königsklasse wollte er gestern nicht sprechen, „weil im Fußball immer alles möglich“ ist. Er wies aber erneut darauf hin, dass man „in der Bundesliga nicht mit 80 Prozent spielen“ könne. Ein Schlendrian würde sich auf die Königsklasse auswirken.
Lewandowski selbst will sich trotz mangelnder Konkurrenz nicht hängen lassen. „Meine Situation ist wie die von Bayern insgesamt“, sagte er lachend. So einsam, wie der Rekordmeister an der Tabellenspitze steht, geht es ihm seit dem Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang in der Torschützenliste. Er kämpfe nun „mit mir selbst. Mein Ziel ist es, am Ende mindestens 30 Tore zu haben.“ Die dritte Kanone nach 2014 (20 Tore) und 2016 (30) ist ihm mit aktuell 18 Treffern sowieso kaum mehr zu nehmen.
Einen ersten Rekord will der Pole an diesem Samstag einstellen. Trifft er im Topspiel gegen Schalke, schließt er zu niemand Geringerem als Jupp Heynckes auf. Dem Bayern-Trainer war in der Saison 1972/73 je mindestens ein Treffer in den ersten elf Heimspielen mit Gladbach gelungen. „Ich hoffe, er ist nicht eifersüchtig und stellt mich auf“, sagte Lewandowski. Danach dürften „wir beide gute Laune haben“. Wenn es nicht weitere Nachrichten aus Madrid gibt.