Pyeongchang – Der Gang zur Dopingkontrolle war für Laura Dahlmeier am Montagabend endgültig zu viel. Ihr Begleiter, der Skiverbandssprecher Stefan Schwarzbach, bemerkte schon beim Treppensteigen, dass es der Biathletin, die eben ihr zweites Gold bei diesen Spielen gewonnen hatte, nicht gut ging. Im Wartezimmer musste sich die schwer erschöpfte 24- Jährige hinlegen – und schlief sofort ein. Als sie nach zwanzig Minuten wieder erwachte, lief bereits das Männerrennen. Aber Laura Dahlmeier war noch nicht in der Lage, sich die ersten beiden Schießen anzuschauen, so sehr steckten ihr das Verfolgungsrennen und die extreme Kälte in den Knochen. Ihren Termin beim Fernsehen musste sie kurzfristig absagen. Tags darauf gab Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig eine vorsichtige Entwarnung: „Es geht Laura so weit gut.“ Sie selbst sagte: „Es gibt sicher keinen Grund zur Sorge.“
Schon bei den Weltmeisterschaften 2017 in Hochfilzen hatte Laura Dahlmeier zwei ähnliche Schwächeanfälle erlebt. Beide Male gewann sie die darauffolgenden Rennen. „Ich habe oft genug bewiesen, dass ich mich innerhalb von ein, zwei Tagen gut regenerieren kann. So ist auch der Fahrplan für die nächsten Tage.“ Für ihre Kreislaufschwäche nach dem Verfolger hat sie eine einfache Erklärung: „Ich habe natürlich versucht, alles zu geben. Dann ist es auch normal, dass ich bei diesen kräftezehrenden äußeren Bedingungen am Ende total kaputt war.“
Hönig sah es ähnlich: „Laura hat die Fähigkeit, sich extrem auszubelasten, sie kann eine Schippe mehr drauflegen als die anderen. In der Summation der Anstrengungen kann das dann zu solchen körperlichen Situationen führen.“
So ohne Weiteres will der 59-jährige Coach aber nicht zur Tagesordnung übergehen: „Wir werden versuchen, mit Hilfe unseres Betreuerteams das gut zu händeln. Wir werden Laura natürlich schützen, um sie wieder zu ihrer Leistungsfähigkeit zu bringen.“ Die Medienauftritte werden also vorerst stark reduziert. Wichtig für Dahlmeier, so Hönig, sei nun auch die Nahrungsaufnahme: „Sie muss auch zu unchristlichen Zeiten etwas essen. Und zwar über das Hungergefühl hinaus, um die Speicher zu füllen.“
Gestern, so berichtete Hönig, pedalierte Dahlmeier am Vormittag schon wieder auf dem Ergometer. „Sie hat ihren Wettkampf nachbereitet, Aktiverholung betrieben.“ Nachmittags ging es zur offiziellen Medaillenübergabe. Dahlmeier fuhr zusammen mit den Teamgefährten Arnd Peiffer (Gold im Sprint) und Benedikt Doll (Bronze im Verfolger) zur Medal Plaza. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, sagte die Garmisch-Partenkirchnerin über den gemeinsamen Auftritt.
Den heutigen Einzelwettbewerb wird die Doppel-Olympiasiegerin in jedem Fall bestreiten. „Jedes Rennen startet bei null. Ganz wichtig wird es sein, am Schießstand sauber zu arbeiten und sich das Rennen sehr gut einzuteilen“, sagte Dahlmeier. Wie es dann weitergeht, wollte Hönig noch nicht prognostizieren. „Wir müssen mit Laura offen darüber reden, was die Einsätze betrifft.“ Er merkte dabei auch an: „Laura kann sich sehr gut subjektiv einschätzen. Sie würde sicher nicht auf einen Startplatz bestehen, wenn sie sich nicht in der Lage fühlt, im Spitzenbereich mitzulaufen.“
Grundsätzlich meinte Hönig: „Wir schauen jetzt von Wettkampf zu Wettkampf. Ich weigere mich, jetzt schon über Einsätze in der Staffel und im Mixed-Wettbewerb zu reden.“ In beiden Rennen zählen die Deutschen zu den Goldfavoriten.