Für alle Fälle Backstreet Boys

von Redaktion

An der Wand unserer Sportredaktion hängt seit vielen Jahren ein großes Bild von Michael Jordan. Der beste Basketballer aller Zeiten hat die Arme zu beiden Seiten ausgestreckt, und die enorme Spannbreite lässt erahnen, warum der Mann den Beinamen „Air Jordan“ trug. Fast das Beste an diesem Bild ist aber der Rahmen. Er ist nicht besonders hoch, aber seeeeehr breit. Dass es solche Maße überhaupt zu kaufen gibt, ist uns nicht bekannt gewesen, bis Michael Jordan bei uns einzog.

Bekanntlich geht den Menschen die Arbeit sehr viel leichter von der Hand, wenn sie sie in einem ansprechend gestalteten Umfeld verrichten dürfen. Deshalb geht heute mal ein ausdrücklicher Dank an unsere Geschäftsführung, die weder Kosten noch Mühen oder – Achtung, Wortwitz! – widrige Rahmenbedingungen gescheut hat. Nicht ganz so angenehm haben es gerade die Sportler in Pyeongchang. Wir wissen das, seit in einer der typischen Vor-Olympia-Geschichten der ästhetische Zustand des olympischen Dorfes beklagt wurde (der zweite Klassiker: Wie viele Kondome bekommt jeder Athlet?). Die Küchenzeilen sind mit Plastik abgedeckt, weil die Apartments schon verkauft sind und nicht abgenutzt übergeben werden sollen. Auch sonst gehört jede Menge Folie zum Interieur. Gemütlich ist das nicht.

Wie gut, dass die Rodlerinnen Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger ein Poster der „Backstreet Boys“ mitgebracht und ihr Zimmer damit ein bisschen wohnlicher gestaltet haben. Wie man darauf kommt, ein Boyband-Poster mit nach Südkorea zu nehmen, ist allerdings eine Frage, die dringend mal geklärt werden sollte. Ebenso wie die, ob das Bild auch schön gerahmt ist.

In typisch olympischer Übertreibung hat Thomas Bach neulich erklärt, das Dorf in Pyeongchang sei eines der besten aller Zeiten, „wenn nicht das beste“. Vielleicht hat er da aber auch einfach nur Sotschi 2014 zum Maßstab genommen. Das braune Wasser, das in den ersten Tagen aus den Leitungen schoss, und die unerreichbar hoch angebrachten Heizkörper, die ein beliebtes Fotomotiv waren. Jeder Bauherr kann sich nur darüber wundern, wie viel bei Olympia unerledigt bleibt, wenn man lediglich fünf, sechs, sieben Jahre zur Vorbereitung hat. Erst in dem Moment, wenn die Athleten einziehen, ziehen die Handwerker leise die Hintertür hinter sich zu.

Umso bemerkenswerter, wenn in diesem tristen Ambiente Top-Leistungen zustande kommen wie bei den deutschen Rodlerinnen. Verschönernd nachzuhelfen, lohnt sich halt immer, schon ein Detail kann den Unterschied machen. Manche Pointe wäre uns sicher nie in den Sinn gekommen, wenn unser Büro nicht so enorm schick eingerichtet wäre. Vor den Spielen von Pyeongchang haben die lieben Kollegen nun noch einmal Hand angelegt und einen Computer mit dem Bild der bezaubernden Biathletin Maren Hammerschmidt dekoriert. Unser Arbeitsplatz ist seitdem sicherlich einer der besten aller Zeiten. Wenn nicht der beste. Marc Beyer

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