Auf dem Weg zum Pop-Star

von Redaktion

Wellinger peilt auf der großen Schanze weitere Höhenflüge an: „Ich kann um Gold kämpfen“

Von Erik Roos und Christoph Leuchtenberg

Pyeongchang – Andreas Wellinger genoss vor der Jagd nach dem nächsten Gold einen Leckerbissen der besonderen Art. Mit seinen Skisprung-Kollegen ließ sich der Olympiasieger von den Teamköchen verwöhnen, im zehnten Stock des deutschen Hotels landete ein Steak der Extraklasse auf dem Teller. So gestärkt startete der 22-Jährige gestern in seinen ersten Arbeitstag auf der Großschanze. Schließlich ist Wellingers Erfolgshunger in Pyeongchang noch lange nicht gestillt.

„Auf der großen Schanze bin ich letzte Saison extrem cool gesprungen. Ich weiß, dass ich um Gold mitkämpfen kann“, sagt Wellinger. Beim Weltcup vor einem Jahr war der Bayer auf der damals brandneuen Schanze Zweiter hinter dem Österreicher Stefan Kraft geworden. Nun will Wellinger sogar noch mehr. Sollte dem Senkrechtstarter am Samstag tatsächlich der olympische Doppelsieg gelingen, würde er in einen erlauchten Kreis aufsteigen.

Erst drei Skispringern gelang das Kunststück, Gold von beiden Bakken zu holen. Der Finne Matti Nykänen machte 1988 in Calgary den Anfang, vor vier Jahren in Sotschi war Polens Kamil Stoch der bislang Letzte. Und dann ist da noch Simon Ammann. Der Schweizer segelte 2002 in Salt Lake City als 20-Jähriger zweimal zu Gold. 2010 in Vancouver wiederholte er diesen Coup . Seither heißt die Zeitspanne von acht Jahren in der Schweizer Sportsprache „Simiade“.

„Diese Geschichte ist unfassbar, das hat alle Dimensionen gesprengt“, sagt Ammann. Der Trubel war schon nach seinem ersten Doppelsieg gewaltig. Wegen seines silbernen Mantels und der markanten Brille wurde er als „fliegender Harry Potter“ bekannt. Sogar in der Late-Night-Show von David Letterman hatte er einen Auftritt.

Und Andreas Wellinger? Der Bayer ist schon jetzt auf dem Weg zum Popstar, ein zweiter Coup könnte einen Hype auslösen, der jenem um Martin Schmitt und Sven Hannawald nahekommt. „Er ist der Skispringer, auf den die Deutschen gewartet haben“, so Österreichs ehemaliger Erfolgstrainer Alexander Pointner: „Liebling aller Schwiegermütter, Schmäh, schelmisches Lächeln. Und damit Potenzial zum Star.“

Zumindest eine Medaille hat Wellinger, geht es nach der Statistik, fast sicher. Seit 1964 gibt es bei Olympia zwei Einzel-Entscheidungen, in zehn von 14 Fällen holte der Gewinner auf der kleinen Schanze auch auf der großen Edelmetall. „Nach so einem Tag kann man locker drauf losspringen. Ich denke, dass ich am Samstag sehr gute Sprünge zeigen kann“, sagt er. Zwei Tage später, gibt es noch das Teamspringen. Auch da gehört Deutschland zum Favoritenkreis. Dreimal Olympiagold in einem Jahr, das gelang bislang nur Nykänen. Aber das nur am Rande.

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