Wetterprobleme in Pyeongchang

Der erwartbare Wind

von Redaktion

Der Wintersport verbindet mit dem Wetter seit jeher eine Art Schicksalsergebenheit. Schließlich sind die Unbilden der Witterung in der kalten Jahreszeit nicht die große Ausnahme – sondern Schneegestöber, garstige Böen und Kälte gehören eben auch zu Freiluftveranstaltungen. Da habe man sich im Normalfall zu arrangieren – so das gängige Credo. Und es ist ja auch bei Olympia nicht das erste Mal, dass es zu derlei Beeinträchtigungen kommt. Und dennoch: Die widrigen Verhältnisse in Pyeongchang sind nicht nur als unberechenbare, höhere Gewalt einzustufen, mit der man sich klaglos abzufinden hat.

Vor allem der starke Wind hat schon in den ersten Tagen eine Vielzahl von Wettkämpfen in Schieflage gebracht. Drei Skirennen mussten verlegt werden, gestern sogar der Frauen-Slalom – bereits jetzt gerät der alpine Terminplan ins Wackeln. Auch im Biathlon gab es gestern die erste Absage. Die Snowboard-Slopestyler fühlten sich von den Windstößen verschaukelt, die Skispringer gerieten in turbulente Grenzbereiche, die nur noch bedingt akzeptabel waren. Nicht viel besser waren die Bedingungen bei den Biathlon-Wettbewerben. Wie sehr die Kugeln teilweise verblasen wurden, zeigt das bisherige Schießergebnis: In vier Rennen gab es insgesamt vier Nuller.

Wer nun glaubt, die südkoreanischen Spiele hätten halt ausgesprochen großes Wetterpech, der braucht den Blick nur mal über die Berge rund um Pyeongchang schweifen lassen. Dort steht Windrad an Windrad – der größte Windpark des Landes. Die so störende Thermik ist also kein Zufall, sondern die Regel. Die Winde kommen vom nur 40 Kilometer entfernten Japanischen Meer und halten das ganze Jahr über die Energiemaschinen in Bewegung. Das schlechte Wetter also war sozusagen programmiert bzw. vorhersehbar.

Die ersten Bedenken waren schon 2009 bei der Biathlon-WM laut geworden, als Unwetter und ein Temperatursturz von 28 Grad (von plus 14 auf minus 14) die Titelkämpfe gefährdeten. Der frühere Generalsekretär Thomas Pfüller bezweifelte damals sogar, dass vom völlig ungeschützten, das nordische Skistadion wie ein Wahrzeichen überragenden Sprungturm jemals ein offizieller Versuch gemacht werden könnte. Als aber 2011 über die Olympiakandidatur abgestimmt wurde, ignorierten die IOC-Wahlmänner das Witterungskriterium komplett.

Wie es nun bei diesen Windspielen weitergeht? Um mit einem geflügelten Wort zu sprechen: Die Antwort weiß ganz allein der Wind.

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