Lim Il Wi aus dem Erzgebirge

von Redaktion

Die gebürtige Deutsche Aileen Frisch rodelt für Südkorea

Pyeongchang – Auf der Mütze der blonden Frau mit den strahlenden blauen Augen steht groß: KOREA. Sie wird umlagert von koreanischen Journalisten. Und diese nennen sie: Lim Il Wi. So heißt die Rodlerin, die für Südkorea im olympischen Rennen mit einem respektablen elften Platz aufwartete, allerdings erst seit einem Jahr. In ihrem ersten Sportlerleben fuhr sie noch unter dem Namen Aileen Frisch als Deutsche zu frühen Erfolgen. In Pyeongchang sagt sie: „Ich bin superglücklich, Südkoreanerin zu sein, ich freue mich sehr.“

Eileen Frisch, 25, gehört zu jener beträchtlichen Zahl von Sportlern, die vom Gastgeberland der Winterspiele mangels konkurrenzfähiger Kräfte eingebürgert wurden. Den Kontakt hatte Steffen Sartor hergestellt, ein ehemaliger Rodler, den die Südkoreaner ebenfalls in ihre Dienste aufgenommen haben. Die Chance auf eine Olympiateilnahme kam für die Erzgebirglerin jedoch umso überraschender, als sie ihre Karriere schon früh beendet hatte. „Ich hatte keinen Spaß mehr.“

Eileen Frisch, Jahrgang 1992, galt hierzulande als große Hoffnung in einer national enorm hartumkämpften Branche. Die deutschen Rodlerinnen sind seit Jahrzehnten das Maß aller Dinge. Frisch war zuzutrauen, an diese Tradition anknüpfen zu können. Sie wurde Jugendweltmeisterin, dann holte sie als 20-Jährige den WM-Titel in der Altersklasse U 23. Doch urplötzlich verlor die Karriere der Hochbegabten stark an Fahrt. „Ich wurde nicht besser, eher schlechter.“ Sie landete im B-Kader, rodelte im zweitklassigen Nationencup. Mit 22 hörte sie auf und wechselte von der Bundeswehr in ein Karriereberatungsbüro in Chemnitz.

Nach eineinhalb Jahren habe sie plötzlich festgestellt: „Ich vermisse das Rodeln.“ Die Offerte aus dem Olympia-Land kam da vor einem Jahr gerade recht. Ihr zuvor einziger Bezug zur neuen Wahl-Heimat: Die Vorliebe für südkoreanische Popmusik. Sie bestand dennoch auf Anhieb den Aufnahmetest mit Fragen zu Kultur und Geschichte Südkoreas, konnte auch fehlerlos die Nationalhymne singen. Ob es ihr etwas ausgemacht habe, den deutschen mit dem südkoreanischen Pass zu tauschen? „Mein Pass macht mich nicht aus. Ich bin ich.“ Wobei das Ich einen neuen Namen bekam: Lim Il Wi. Übersetzt heißt das: Gewinnt den ersten Preis.

Mit solchen hohen Zielen ist Aileen Frisch in Pyeongchang angetreten – zumal sie sich noch im Oktober einen Trümmerbruch im Fuß zugezogen hatte. Aber den Olympiastart sieht sie als Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn. „Ich hätte mir das nie erträumen lassen.“ Wobei Aileen Frisch betont, sich mit Südkorea voll zu identifizieren: „Ich habe schon das Gefühl, mein Land zu repräsentieren. Ich fühle mich als waschechte Südkoreanerin.“ Und als solche ist die 25-Jährige wohl auch noch nie in ihrem Leben so gefeiert worden wie bei ihren Fahrten in Pyeongchang. Schon als sie oben am Start stand, hört sie die südkoreanischen Fans rufen: „Aileen! Fighting!“ Danach sagt Aileen Frisch: „Ich fühle mich sehr stolz.“ Armin Gibis

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