Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen. Schon seit Minuten bearbeitet die Fachkraft meinen Rücken mit einer Art Stahlwolle, und allmählich wird diese angebliche Wellness-Prozedur zur Qual. „Ddaemir“ wird dieser leicht rabiate Sauna-Service genannt, wörtlich übersetzt heißt das: „Dreckrubbeln“. Mit einem sogenannten „Italy towel“, einem reibeisenartigen Handtuch, wird dabei die oberste Hautschicht abgelöst. Eine koreanische Peeling-Spezialität. Sie soll irgendwie gesund sein und die Durchblutung fördern.
Der Besuch eines „Jjimjilbang“ (Jjimjil = beheiztes Bad, bang = Raum), einer traditionellen Sauna, war uns frostgeplagten Olympiareportern wärmstens ans Herz gelegt worden. Bieten diese Schwitzbuden doch auch einen Einblick in die koreanische Lebensart. Hier trifft man sich nicht nur zum Transpirieren. Vielmehr laden die 24-Stunden-Etablissements zu den verschiedensten Freizeitaktivitäten ein. Es gibt rund um die Uhr geöffnete Restaurants, Nagelpflege-, Fitness- und Massagestudios, Fernseh- und Computerräume, Spielzimmer für Kinder.
Die Tradition dieser Badehäuser hat ihren Ursprung angeblich in den alten koreanischen Keramik-Manufakturen. Als die großen Öfen nach dem Brennprozess einigermaßen abgekühlt und die Temperaturen angenehm waren, kroch die wartende Dorfgemeinschaft hinein, um es sich dort gemütlich zu machen. Aus dieser Zeit stammt auch der nach wie vor gepflegte Brauch, im Jjimjilbang Eier zu kochen und mindestens eines zu essen, um damit den Nährstoffverlust auszugleichen.
In der Neuzeit werden die Jjimjilbangs nicht selten von Nachtschwärmern aufgesucht. Auch weil an die Quartierfrage für ausdauernde Gäste gedacht ist. Wer nach intensiven Saunafreuden keine Lust mehr hat zur späten Heimkehr, findet im Jjimjilbang mit Matratzen oder Matten ausgelegte Schlafsäle. Die Übernachtung im Badehaus kostet zwischen 6000 und 15 000 Won – das sind vier bis zehn Euro. Eine echte Alternative also zu den stark überteuerten Olympia-Hotels. Armin Gibis