Windige Angelegenheit

von Redaktion

Wegen der Wetterkapriolen müssen weitere Wettkämpfe verschoben werden

Von Thomas Wolfer

Pyeongchang – Schneestürme auf der Slalom-Piste und im Biathlon-Stadion, Evakuierungen und umherfliegende Gegenstände im Olympiapark: Heftiger Wind hat am fünften Wettkampftag der Winterspiele in Pyeongchang erneut für viele Probleme gesorgt und bringt die Organisatoren mehr und mehr in Zeitnot. Nach Wettkampf-Absagen bei den Biathleten und Skirennfahrern kommt es in Südkorea nun zu einem Mega-Donnerstag für die deutsche Mannschaft – beste Gold-Chancen haben heute noch Laura Dahlmeier, Arnd Peiffer und das Rodel-Team.

Nachdem am Mittwoch aufgrund des schlechten Wetters zunächst der alpine Slalom bei den Frauen um zwei Tage nach hinten verlegt wurde, folgte wenig später das Einzel bei den Biathletinnen um Laura Dahlmeier. Die Doppel-Olympiasiegerin kann nun erst heute nach ihrem dritten Gold greifen, kurz darauf folgen die Biathlon-Männer. Die Rodler sind im Team-Wettbewerb gefordert. Schon am koreanischen Morgen sollte es heute außerdem für Viktoria Rebensburg im Riesenslalom und die Speed-Herren mit Thomas Dreßen in der Abfahrt um Medaillen gehen.

„Grundsätzlich wollten wir nicht riskieren, bei Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu zehn Metern pro Sekunde unfaire Bedingungen für die Athleten zu haben“, sagte Nicole Resch, die Generalsekretärin des Biathlon-Weltverbandes IBU. IOC-Sprecher Mark Adams gab sich nach der Slalom-Absage gelassen: „Wenn der Wind 15 Tage weiter bläst, könnte es ein Problem werden. Aber derzeit ist alles okay.“

Alfons Hörmann macht sich allerdings Gedanken. „Im alpinen Bereich wird es immer enger. Jetzt müssen wir bald in die Umsetzung kommen, sonst wird es wirklich knapp, alle Wettbewerbe durchzubekommen“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. „Man darf auch den logistischen Teil nicht unterschätzen. Viele müssen ihre Rückflüge neu ordnen. Der entscheidende Punkt ist, was ist für die Athleten zumutbar?“

Biathletin Franziska Hildebrand nahm die Wetterkapriolen und die Verschiebung des Einzelrennnens locker: „Dann eben morgen“, meinte sie. Doch für viele Olympia-Besucher wurde es gestern ungemütlich. Im Olympiapark in Gangneung führten starke Sturmböen dazu, dass auf dem Gelände ab dem Mittag für den Rest des Tages alle Aktivitäten gestoppt wurden. Besucher sollten die Eishallen in der Küstenregion zwischenzeitlich nicht mehr verlassen. Zudem mussten mehrere Sub-Pressezentren geräumt werden. Diese befinden sich jeweils in riesigen Zelten, die durch Stahlrohrkonstruktionen getragen werden und im Sturm kräftig ins Wanken gerieten. Alle Journalisten wurden aufgefordert, die Zelte zu verlassen und in den nahegelegenen Hallen zu arbeiten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, so die Organisatoren.

Vor den Türen der Eishallen flogen Banden und andere Gegenstände umher, kleinere Zelte wurden auch im Mediendorf zerstört und Flaggen u.a. von den Unterkünften der deutschen Athleten im olympischen Dorf gerissen. Personen mit koreanischen Handynummern erhielten über den Tag verteilt gleich mehrere Warn-Hinweise und wurden zur Vorsicht aufgerufen. Auch das Organisationskomitee POCOG betonte in einer Mitteilung, dass die Sicherheit bei allen Maßnahmen höchste Priorität habe.

Hatte die Kälte Pyeongchang in den vergangenen Tagen fest im Griff, bleibt nach einem Temperaturanstieg der Wind das große Problem. Allerdings soll es heute Besserung geben, die Rennen der Biathleten beispielsweise können unter „vermeintlich sehr guten und fairen Bedingungen“ stattfinden, wie Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig prophezeite.

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