Wunderbares kleines Manderl

von Redaktion

Kombinierer Frenzel wiederholt Olympiasieg von Sotschi – und Weinbuch ist den Tränen nahe

VON ARMIN GIBIS

Pyeongchang – Eric Frenzel versteht sich darauf, sein Team D zu repräsentieren. Schon bei der Eröffnung der südkoreanischen Winterspiele ging er als Fahnenträger voran, und auch im Wettkampf hielt er das deutsche Banner hoch. Der Sachse holte sich sein zweites Olympia-Gold nach Sotschi 2014 – und das in so mitreißender Manier, dass sein Bundestrainer völlig aus dem Häuschen geriet. „Ich bin sprachlos. Ich habe so geschrien, dass ich fast keine Stimme mehr habe, und muss mit den Tränen kämpfen“, sagte Hermann Weinbuch: „Das Rennen hat Eric fantastisch gesteuert und verdient gewonnen.“ Frenzel meinte: „Es ist unbeschreiblich und großartig. Ich hätte es nicht erwartet.“

Frenzels Skepsis hatte seine Gründe. Die deutschen Ski-Zweikämpfer, die in der Vorsaison ihre Branche noch eisern dominiert hatten, waren diesmal nur sehr schwer in die Saison gekommen. „Wir haben viel trainiert, und dann zu lange daran geknabbert. Die Zeit ist uns weggelaufen“, erzählte er. Doch in den letzten Wochen kam die alte Form zurück. „Manchmal gibt es kleine Wunder“, sagte Frenzel.

Das gilt vor allem für ihn. Im Springen hatte der fünffache Weltmeister sich als Fünfter eine exzellente Ausgangsposition erarbeitet, über zehn Kilometer startete er eine fulminante Aufholjagd. Ins Rennen war er mit 36 Rückstand auf den überraschenden Österreicher Franz-Josef Rehrl (am Ende 13.) gegangen, vor dem Schlussanstieg startete der Sportsoldat noch eine seinen letzten Widersacher zermürbende Attacke. Akito Watanabe (Japan/4,8 Sekunden zurück) musste sich geschlagen geben, Lukas Klapfer (Österreich/18,1) wurde Dritter.

Weinbuch geriet angesichts der Galavorstellung ins Schwärmen: „Das ist schon die Superlative, was so ein kleines Manderl für eine Energie hat. Vor allem im Kopf ist er stark. Er kann sich unheimlich fokussieren. Viele andere verkrampfen da, aber Eric bleibt locker.“

„Kein normaler Mensch in dem Sinn“

Auch weil er die Gabe hat, sich richtig einzuschätzen. „Er hat genau in sich hineingehorcht, genau gewusst, wie viel er sich zumuten kann, wie stark er ist. Er hat das taktisch hervorragend gemacht.“ Und dann schickte der Bundestrainer noch ein hohes Lob hinterher: „Das ist kein normaler Mensch in dem Sinn.“

Seine Klasse hatte Frenzel schon auf der Schanze demonstriert. Und das bei schwierigen Bedingungen. Weinbuch meinte: „Es ist das passiert, was wir hier befürchtet hatten: Es war ein Lotteriespringen.“ Besonders schlimm erwischt hatte es Fabian Rießle, der auf Rang 16 abstürzte. „Ich bin traurig. Ich hatte extrem viel Pech, der Wettergott war nicht auf meiner Seite“, sagte er. Immerhin verbesserte sich der Schwarzwälder noch auf Rang 7.

Ebenfalls in Turbulenzen geraten war Johannes Rydzek, vierfacher Weltmeister des Vorjahrs. Er rettete sich dabei im Zwischenergebnis noch auf den 11. Platz. „Ich war nicht hundertprozentig im Glück“, befand er. In der Loipe drehte der Oberstdorfer noch einmal mächtig auf, kam bis auf knapp sieben Sekunden an die Spitzengruppe heran. Doch ein energischer Zwischenspurt von Frenzel machte seinen Bemühungen den Garaus. Rydzek, der sich mit Rang 5 (27,9 zurück) zufrieden geben musste, meinte: „Ich habe mein ganzes Herzblut reingelegt – bis Eric dann die Tempoverschärfung gemacht hat.“ Frenzel legte dabei Wert auf die Klarstellung, dass er in dieser Situation nicht vorhatte, seinen Teamgefährten anzugreifen: „Ich wollte Watabe und Klapfer aus der Reserve locken.“ Auch Rydzek, der interne Rivale, sah es so: „Er musste was probieren und aus seiner Spitzengruppe heraus was machen.“ Sein Fazit: „Eric ist ein ganz Großer – Hut ab.“

Bundestrainer Weinbuch, seit 22 Jahren Chef der deutschen Vorzeigesparte, richtete den Blick unterdessen nach vorne. Im Hinblick auf die noch ausstehenden beiden Kombinationswettbewerbe meinte der Bischofswiesener: „Ich hoffe, dass das heute noch nicht das Ende der Fahnenstange war.“

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