Auf dem Weg in eine neue Ära

von Redaktion

Der Pokalsieg soll für die Basketballer des FC Bayern ein erster Schritt in eine titelreiche Zukunft sein

VON Patrick Reichelt

München – Bevor der Chef sich mit in die Titelfeier stürzte, hatte er noch eine private Mission. Marko Pesic zog es an den Fernseher. Und auch das sollte sich lohnen. Der Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern erlebte mit, wie sein Vater Svetislav nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt den FC Barcelona im fernen Gran Canaria zum spanischen Pokalsieger machte. Pesic junior konstatierte zufrieden: „Das war ein guter Tag.“

Zumindest für seine Bayern wurde es auch ein langer Tag. Bis in die frühen Morgenstunden kosteten die Profis um Anton Gavel in der Münchner Rodman-Bar gemeinsam mit der gesamten Basketball-Belegschaft den 80:75-Triumph über Alba Berlin im Pokalfinale aus. Und die Sache sollte in die Verlängerung gehen. Weil die Bundesliga wegen der anstehenden WM-Qualifikationsspiele bis Anfang März pausiert, dürfen die Beteiligten den ersten Titelgewinn seit der Meisterschaft 2014 noch „zwei, drei Tage“ (Pesic) länger genießen. Für Bayern-Urgestein Nihad Djedovic eine spezielle Sache: „Wir sind so oft auf der anderen Seite gestanden“, sagte er, „das war jetzt wichtig für uns.“

Wobei der Pokalsieg für das ganze Projekt Profibasketball sicher noch mehr Gewicht hat, als dem kleinen nationalen Titel üblicherweise beigemessen wird. Drei Jahre lang war man auf allen Ebenen leer ausgegangen. Die Verantwortlichen, allen voran Pesic selbst, haben einige Kritik einstecken müssen. Zumindest von außen, „vom Präsidium habe ich immer Rückendeckung gespürt“. Dass man die Vitrine im VIP-Raum des Audi Dome nun mit einer neuen Trophäe bestücken kann, ist so gesehen auch ein Signal: Seht her, wir können es.

Und zwar nach außen wie auch nach innen. Immerhin hatten die Bayern gerade in den beiden letzten Jahren die wirklich wichtigen Spiele zuverlässig verloren. Vor dem Pokal hatte man wegen der Tücken des keine Schwächen verzeihenden K.o.-Systems einigen Respekt gehabt. Auch Präsident Uli Hoeneß, der zwar zum Halbfinale am Samstag gegen Gastgeber Ulm, zum Finale aber aus Aberglauben nicht mehr angereist war.

Und die Bayern bewegten sich im Endspiel gegen kampfstarke Berliner ja auch hart am Rande einer Niederlage. „Wir sind wie schon im Viertelfinale gegen Bamberg mit dem Rücken zur Wand gestanden“, sagte Pesic, „aber die Mannschaft hat das herausgerissen – das war großartig.“ Ein besonderes Kompliment galt dabei auch Trainer Sasa Djordjevic. „Er hat einen Weg gefunden, wie man solche Spiele gewinnt“, sagte Pesic.

Geht es nach dem Geschäftsführer, dann könnte nicht nur der Titel selbst, sondern auch die Art, wie man ihn eingespielt hat, zum Schlüsselerlebnis für die Zukunft werden. Schon für dieses Jahr, in dem man auch auf den größeren Bühnen Eurocup (Viertelfinale gegen UNICS Kasan) und Meisterschaft aussichtsreich im Rennen liegt. „Da gibt uns dieser Erfolg sicher viel Rückenwind“, ist sich auch Nihad Djedovic sicher.

Aber auch langfristig. „Dieser Verein muss groß denken“, betonte Marko Pesic. Der Titel sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft“. Der FC Bayern will schließlich schon bald in den Kreis der europäischen Topadressen aus Spanien, der Türkei oder Russland vorstoßen. Bei der Frage nach dem Wie wird Marko Pesic vielleicht noch des Öfteren seinem Vater Svetislav auf die Finger schauen. Dessen FC Barcelona hat diesen Schritt ja schon ein wenig länger geschafft.

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