Russischer Dopingfall

Curler als Politikum

von Redaktion

Doping im Curling? Solch eine Nachricht stößt zunächst eher auf amüsierte Verwunderung. Die erste Reaktion: Was soll Doping schon groß bringen in einer Sparte, die den Akteuren nur geringe körperliche Leistungskraft abverlangt? Und normalerweise birgt solch ein Vorfall in einer Randsportart auch nicht die Sprengkraft, um den olympischen Frieden groß stören oder gar erschüttern zu können.

Doch spätestens nach dem Mega-Skandal von Sotschi, bei dem Russland als staatlich organisierte Doping-Nation entlarvt wurde, herrscht Alarmstufe rot, wenn es um Sportler aus dem Putin-Reich geht. Da erscheint es sogar denkbar, dass der bislang weltweit unbekannte Curler Kruschelnitzki zu einem Politikum wird, zum Auslöser von Debatten, die für das IOC mehr als unbequem werden könnten.

Russland steht bei diesen Winterspielen bekanntlich auf dem Prüfstand. Und – zurecht – auch am Pranger. Die 168 Olympiateilnehmer dürfen nur unter der Bezeichnung „OAR“ antreten, als „Olympic Athletes from Russia“. Ein großer Teil der russischen Stars ist ganz ausgeschlossen worden. Eine schwere Demütigung für das stolze Russland.

IOC-Präsident Thomas Bach sieht sich dennoch weiter dem Vorwurf mangelnder Konsequenz ausgesetzt. Zumal er den Russen in Aussicht gestellt hat, dass die Bewährungszeit schon mit Ende der südkoreanischen Spiele ausläuft und die russischen Wintersportler bei der Abschlussfeier wieder als Russland samt rotem Banner auftreten dürfen. Voraussetzung für das Ende der Sanktionen war aber, dass die Russen sich in Pyeongchang als saubere Sportsleute präsentieren. Wie also ist der Doping-Fall Kruschelnitzki in diesem Kontext einzustufen?

Einerseits liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen Einzelfall handelt, um die Dummheit eines unverbesserlichen Sportbetrügers. Bestraft man also deswegen gleich eine ganze Mannschaft? Nur ist es eben auch so, dass der Weltsport mit seiner Geduld ziemlich am Ende ist. Dass viele der Meinung sind, Russland habe sich nun den einen Doping-Fall zu viel geleistet. Dass endlich Härte angebracht ist, um ein markantes Zeichen zugunsten der Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf und im Umgang mit Russland zu setzten.

Bach steht fraglos unter Zugzwang. Doch es wird enorm schwer werden, hier noch den gewöhnlich von ihm bevorzugten Mittelweg zu finden. Es spricht also einiges dafür, dass dem olympischen Sport eine weitere Zerreißprobe droht.

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