Friedrich der Große rast in den Olymp

von Redaktion

Bob-Thriller: Zeitgleich mit dem Kanadier Kripps holt sich der Sachse Gold im Zweier – Schmach von Sotschi getilgt

Von Elisabeth Schlammerl

Pyeongchang – Ein paar Sekunden des Bangens gab es am Ende noch, ehe sich die Emotionen entluden. Francesco Friedrich und sein Anschieber Thorsten Margis stürzten enthemmt auf den Schlitten des kanadischen Herausforderers Justin Kripps zu. Zeitgleich nach vier Läufen gewannen die beiden Zweierbobs die Goldmedaille im Alpensia Sliding Center vor dem Letten Oskars Melbardis. „Es kann nicht packender zugehen“, sagte Friedrich. Beste Werbung für den Bob-Sport.

Anschließend sprang er wie auch sein Partner Margis über die Absperrung zur Tribüne. Dort warteten Freunde, Familie und Sponsoren, um zu gratulieren. „Das ist mit Abstand der größte Moment meiner Karriere“, fand Friedrich. Dabei hatte es am Tag zuvor noch so ausgesehen, als könnte dieser Wettkampf mit einer großen Enttäuschung für den vielleicht besten Zweierbob-Piloten der Welt enden.

Der 27-jährige aus Oberbärenburg war nach den ersten beiden Läufen als Fünfter der am schlechtesten platzierte deutsche Bob gewesen. Nico Walther hatte das Feld angeführt und war als einziger im Feld in beiden Läufen fehlerfrei geblieben, auf Platz drei lag der Berchtesgadener Johannes Lochner. Neben der tückischen Kurve neun, die bereits Rodler Felix Loch zum Verhängnis geworden war, ist bei den Bobfahrern auch die Kurve zwei entscheidend, und genau damit hatte Friedrich große Schwierigkeiten.

Er ist Serien-Weltmeister und war im Training auf der anspruchsvollen Bahn gut zurechtgekommen. „Es war keine Option, nicht über Gold nachzudenken“, sagte Margis. Deshalb haben sich die beiden bis tief in die Nacht hinein den Kopf zerbrochen, wie sie Schlüsselstelle knacken können. „Wir haben viel nachgedacht und schlecht geschlafen“, erzählte Friedrich. „Wahrscheinlich bin ich tausendmal die Kurve 2 gefahren.“ Vielleicht hat Trockentraining im Bett geholfen bei der Wende, aber ganz sicher ein paar Tüfteleien am Bob.

Die Vorderkufe wurde noch einmal geschliffen und poliert, die Hinterkufe ausgewechselt, „um mehr Stabilität zu bekommen“, wie Bundestrainer René Spies erklärte, der wie Friedrich kaum Schlaf fand, stattdessen Videos studierte, um am nächsten Mittag mit dem Weltmeister die Strategie für die Aufholjagd zu besprechen. „Unglaublich, wie er die umgesetzt hat.“

Im dritten Lauf schob sich der Super-Starter Friedrich auf Rang zwei hinter Kripps. Weil Melbardis ohne Patzer durch das Labyrinth kam, „wusste ich, dass es ein Zauberlauf sein muss“, sagte Spies. Vor allem im unteren Teil ist Friedrich der gelungen. Im Gegensatz zu Walther und Lochner, der noch hinter dem Kollegen aus Altenberg auf den fünften Platz zurückfiel. „Uns fehlt ein bisschen was am Start und am Material. Da sind wir nicht auf Augenhöhe“, gab der Berchtesgadener zu. In der Viererbob-Entscheidung am Sonntag hingegen ist er Top-Favorit.

Die deutsche Schmach von Sotschi ist mit dem Triumph von Friedrich zwar nicht getilgt, aber die Goldmedaille zeigt, dass die Bobfahrer aus den Fehlern gelernt haben. 2014 waren sie zum ersten Mal seit 50 Jahren ohne Medaille nach Hause gefahren. Cheftrainer Christoph Langen hatte in Russland die Verantwortung für die Pleite übernommen, blieb aber noch zwei Jahre im Amt. Nach seinem Rücktritt übernahm sein Assistent Spies den Posten des Cheftrainers. Im vergangenen Jahr waren dann auch noch die Streitigkeiten auf dem Materialsektor beendet worden.

Der Verband hatte durchgesetzt, dass jeder Bob-Pilot frei wählen durfte, ob er in Schlitten des staatlich geförderten FES an den Start geht oder in jenen des österreichischen Bobbauers Hannes Wallner. „Es waren intensive vier Jahre in allen Bereichen“, gibt Spies zu. „Aber wenn man am Ende Gold gewinnt, hat sich alles gelohnt.“

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