München – Über dieses „Kribbeln“ im Vorfeld einer Champions League-Partie ist im Umfeld des FC Bayern ja jetzt lange genug berichtet worden. Bei Mats Hummels hat es schon vergangene Woche eingesetzt, bei Jupp Heynckes erst in den letzten beiden Tagen, und heute wird es dann schließlich alle erreicht haben. 20.45 Uhr, Flutlicht – das sind die Schlagworte, die die heiße Saisonphase einleiten. Und an diesem Abend des Achtelfinal-Hinspiels gegen Besiktas Istanbul wird das Heimspiel bekanntlich ja noch ein bisschen heimeliger.
Es ist seit Wochen bekannt, dass der türkische Meister sein Auswärtskartenkontingent zurückgegeben hat, weil die Besiktas-Fans seit 2017 bei der UEFA „auf Bewährung“ spielen. 3800 Eintrittskarten wurden nicht in Anspruch genommen, die Bayern sind als Hausherren dazu aufgerufen, keine Gästefans ins Stadion zu lassen. Hummels ist sich trotzdem sicher, dass „Besiktas-Fans vor Ort sein und auf sich aufmerksam machen werden“. Wie die an ihre Karten gekommen sind – darüber sprach man lieber nur leise.
Allgemein ist es ja ein gutes Zeichen, wenn Neben-Themen wie dieses vor einer wichtigen Partie überhaupt zum Gesprächsstoff taugen. Auf dem Platz läuft es bei den Bayern derzeit so gut, dass sie gegen die Mannschaft von Trainer Senol Günes (Heynckes: „Er ist das Erfolgsgeheimnis dieser Mannschaft“) auf dem Papier Favorit sind. Trotzdem stellte der Bayern-Coach nach ausgiebigem Video-Studium klar, dass Besiktas „ein Stolperstein“ sein könne. Das mit Altstars wie Pepe und Ricardo Quaresma gespickte Team spiele guten Fußball, warnte er: „Es ist kein Zufall, dass sie alle drei Auswärtsspiele in der Gruppenphase gewonnen haben.“ Genau das – und dass ein intensiv geführtes Spiel anstehen würde – habe er seinen Profis bereits mitgeteilt.
Gewarnt sein muss man freilich, wenn es in die K.o.-Phase der Königsklasse geht, aber Heynckes weiß auch, „dass wir mit einer Topleistung den Grundstock legen können“ für den siebten Viertelfinal-Einzug hintereinander. Mit Blick auf das am 14. März anstehende Rückspiel im Hexenkessel von Istanbul wäre ein Heimsieg wichtig. Denn schon in München, aber vor allem zuhause vor ihren Fans werde Besiktas „sich nicht verstecken“.
Heynckes weiß, wie er das Projekt „Triple“ – auch dieses Wort kursiert nun wieder verstärkt – angehen muss. Er führte sowohl Real Madrid (1998) als auch die Bayern (2012, 2013) ins Endspiel. Vergleiche mit dem Triumph von Wembley lässt er nicht zu, jede Mannschaft habe „ihre eigenen Charakteristika, ihr eigenes Innenleben“. Und die aktuelle zeichne das aus, was Thomas Müller nach dem Last-Minute-Sieg in Wolfsburg schon betont hatte – und Heynckes gestern wiederholte. „Sie ist einfach geil.“ Der 72-Jährige lachte sich schlapp.
Hummels bestätigte, dass sich das „Wir-Gefühl“ seit dem Amtsantritt des Altmeisters verstärkt habe – und daher auch jeder akzeptieren werde, wenn er aufgrund der Dichte des Kaders aussetzen müsse. Der „Verpflichtung an die Mannschaft nachzukommen“, habe er gelernt, als er in Carlo Ancelottis letztem Spiel an der Seitenlinie in Paris auf der Bank saß: „Harte Zeiten gehören dazu.“
Heynckes hatte seine Elf schon im Kopf, er wird zurückrotieren. Zwar gebe es „kein A- und kein B-Team, sondern nur den FC Bayern“, trotzdem müssen „manche zuschauen“. Der noch nicht ganz genesene Thiago wird wohl dazugehören, dafür hat Kingsley Coman seine Erkältung überstanden. Bestens erholt sind zudem Hummels, Jerome Boateng, David Alaba, Joshua Kimmich, Arturo Vidal und James. Auch dieSpieler haben es durchgerechnet. Hummels: „Einen Härtefall wird es geben.“ Bei einem kribbelt’s umsonst.