Pyeongchang – Erst zuckten die strammen Oberschenkel, dann wackelte der breite Oberkörper – und am Ende stand Nico Ihle mit leeren Hände da. Die deutsche Sprint-Hoffnung hatte bei der Rekordjagd der schnellsten Eisschnellläufer der Welt das Nachsehen und raste bei den Spielen von Pyeongchang klar am Podest vorbei. Der Vize-Weltmeister, der sich zunächst einen Fehlstart geleistet hatte, musste sich im 500-Meter-Rennen in 34,89 Sekunden mit Rang acht begnügen.
Besonders geknickt war er aber nicht. „Ich bin nicht so unzufrieden. Es war kein schlechter Lauf. In so einem Feld muss man erstmal Achter werden“, sagte der 32-Jährige – und fügte hinzu: „Ich denke, dass es den Leuten, die mir zusehen, schlechter geht als mir.“
Der Sieg ging an Mitfavorit Havard Lorentzen, der Norwegen in olympischem Rekord von 34,41 Sekunden das nächste Gold bescherte. Lorentzen schob sich vor den Südkoreaner Cha Min Kyu, der zwei Läufe zuvor die olympische Bestzeit auf 34,42 Sekunden verbessert hatte. Bronze ging an den Chinesen Gao Tingyu (34,65). Der zweite deutsche Starter Joel Dufter (Inzell) belegte in 35,50 Sekunden abgeschlagen den 29. Platz.
Der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) droht nach dem Debakel von Sotschi 2014 nun mehr denn je die nächste Nullrunde. Die letzte realistische Chance auf Edelmetall haben die deutschen Eisschnellläufer durch Ihle am Freitag über 1000 m.
Die Ausgangslage vor dem Rennen war kompliziert gewesen, die Kurzdistanz ist derzeit die wohl umkämpfteste Strecke. In der laufenden Weltcup-Saison standen 17 verschiedene Athleten auf dem Podest. Ihle hatte gleich zum Auftakt in Heerenveen im November Silber gewonnen, diesen Erfolg aber nicht wiederholt.
Der Chemnitzer ging im Duell mit dem Polen Artus Was auf das Eis und startete dabei auf der eher ungeliebten Außenbahn. Das Problem: Nach 300 Metern musste der für technische Fehler mitunter anfällige Ihle im Höchsttempo in die anspruchsvolle Innenkurve ziehen. „Er hat zu viel Respekt vor ihr“, hatte sein Trainer Klaus Ebert zuvor schon gesagt.
Doch bereits vor der ersten Geraden ging viel schief. Ihle zuckte weit vor dem Startschuss – und sorgte damit für einen Fehlstart. Im zweiten Anlauf gelang der Start fehlerfrei, doch seine enorme Kraft übertrug Ihle nicht optimal aufs Eis.
Ein gutes Gespür hatte Ihle vor dem Rennen bewiesen. Die Südkoreaner seien schwer einzuschätzen, hatte er gesagt und auch dem dann zweitplatzierten Zweiten Cha viel zugetraut. Auch bei der zu laufenden Zeit für die Medaille, die Ihle auf eine „mittlere 34“ schätzte, sollte er recht behalten.
Die deutschen Eisschnelllauf-Männer warten damit weiter seit 16 Jahren auf die eine Olympiamedaille. 2002 in Salt Lake City hatte Jens Boden 5000-m-Bronze gewonnen. Die letzten deutschen Sprint-Medaillen bei den Männern hatten 1992 in Albertville die Olympiasieger Uwe-Jens Mey (500 m) und Olaf Zinke (1000 m) geholt.
Ihle war als letzter deutscher Eisschnellläufer erst vor einer Woche nach Südkorea gereist. Anders als Sprint-Kollege Dufter entschied sich Ihle für eine intensive Vorbereitung in der Heimat. „Es ist alles getan. Ich brauche keinen besonderen Lauf, einfach nur einen guten Lauf. Wenn keine Fehler drin sind, wird es schon passen“, sagte er noch am Sonntag. Ein vernünftiger Lauf aber war zu wenig für eine Medaille.