Zwei „Wettkampfschweine“, ein Ziel

von Redaktion

Mit Top-Anschieberin Drazek zählt Bob-Pilotin Schneider zu den Favoritinnen: „Wir sind eine explosive Mischung“

Pyeongchang/München – Bronze, sagt Rene Spies, wird Stefanie Schneider nicht gewinnen, auf keinen Fall. Und alle, die rund um den Bundestrainer des deutschen Bob-Teams stehen, fragen lieber nicht nach. Dass diese Bahn im Alpensia Sliding Center von Pyeongchang knifflig ist und bis zum Schluss jederzeit alles passieren kann, ist eine der meisterzählten Geschichten der laufenden Winterspiele. Also: kleine Brötchen backen. Vorne mitfahren, das wäre ja schon ein Erfolg für die deutschen Zweier in der Frauen-Entscheidung, die heute und morgen (jeweils ab 12.50 Uhr MEZ) ansteht. Oder? Spies schaut irritiert in die Runde, zögert kurz und sagt dann: „Jede Wette: Die holt Silber!“

Dieser Satz kommt aus voller Überzeugung, und alleine das ist kurios. Denn wenn man sich daran erinnert, wie derselbe Rene Spies vor rund einem Jahr nach der Heim-WM am Königssee davon gesprochen hat, dass seine beiden Top-Pilotinnen Mariama Jamanka (Oberhof) und Stefanie Schneider (Oberbärenburg) teilweise gefahren waren „wie in der Fahrschule“, hat man mit einer derartigen Erwartungshaltung für Pyeongchang wirklich nicht rechnen können. Seitdem aber ist im Frauen-Lager viel passiert. Acht Podestplätze in der abgelaufenen Weltcup-Saison und einen nach langem Hin und Her beschlossenen Anschieberinnen-Tausch später zählt vor allem Stefanie Schneider zu den Top-Anwärterinnen auf olympisches Edelmetall.

„Ich sage das jetzt lieber nicht“, ist der Satz, den die 27-Jährige selbst bei entsprechenden Nachfragen wählt. Das Ziel sei es, gemeinsam mit Annika Drazek – der besten Hinterfrau der Welt – „schnell zu starten und vier Mal ordentlich zu fahren“. Gelingt das so wie im Abschlusstraining, bei dem das Duo sogar die Top-Favoritin Kaillie Humphries (Kanada) sowie Elana Meyers Taylor und Jamie Greubel Poser (beide USA) hinter sich lassen konnte, ist alles möglich.

Schneider stellt aber auch klar: „Wir haben keinen Druck. Wir sind eine junge Damen-Mannschaft und haben alles, was wir in dieser Saison erreichen konnten, schon erreicht.“

Auch Spies gibt zu, dass seine Mädels ihn Woche für Woche überrascht haben. „Das war unser Ziel“, sagt Drazek, die als absolute Hoffnungsträgerin des BSD gilt. Alle drei deutschen Bobs – auch jenen der dritten Starterin Anna Köhler (Winterberg) – hat die ehemalige Top-Sprinterin in diesem Winter schon zu Bestzeiten geschoben. Weil sie mit Schneider schließlich sogar Startrekorde brach – und die an den Lenkseilen immer besser wurde – fällte Spies rund zwei Wochen vor der Abreise nach Südkorea die nicht bei allen populäre Entscheidung.

Es hat ein wenig gedauert, ehe die Damen das alles „geschluckt und verdaut“ hatten. Schneider und Lisa Marie Buckwitz, die nun Jamanka in die Spur bringt, sind „gemeinsam groß geworden, wir haben gedacht, dass wir das Ding von der Junioren-Pike bis zu Olympia gemeinsam durchziehen“. Schneider versichert aber, das „Gefühls- chaos inzwischen ganz gut geordnet“ zu haben.

Mit Drazek ist die ehemalige Anschieberin nun „eine explosive Mischung“ am Start – und nicht nur das. Zwar sind die beiden Blondinen „vollkommen unterschiedliche Typen“, haben aber eine wichtige Gemeinsamkeit. Schneider sagt: „Wir sind zwei absolute Wettkampfschweine.“ Sie lacht und fragt: „Kann ich das so sagen?“ Kann sie! Der Bundestrainer hört es gerne. Denn er wettet ja auf Silber Mindestens. hanna raif

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