Skispringer wieder erfolgreich gemacht

Die Ära Schuster

von Redaktion

Kurze Rückblende zur nordischen Ski-WM 2007: Die deutschen Skispringer, wenige Jahre zuvor noch Vorzeigesparte ihres Verbandes, verpassten in beiden Einzel-Wettbewerben die Top 10, im Teamwettbewerb gab es einen kümmerlichen 8. Rang, 163 Punkte hinter dem Sieger Österreich. Im Jahr darauf übernahm ein gewisser Werner Schuster aus Österreich das Amt des deutschen Bundestrainers. Sein Auftrag: Er sollte die Disziplin, die eine verheerende Bruchlandung hingelegt hatte, wieder konkurrenzfähig machen.

Inzwischen, eine Dekade später, präsentieren sich die deutschen Skispringer wieder auf Weltniveau. Die olympische Bilanz von Pyeongchang ist mit 1 x Gold (Andreas Wellinger) und 2 x Silber (Team und Wellinger) sogar besser noch als jene aus der legendären Ära Martin Schmitt/Sven Hannawald – im Jahr 2002 gab es in Salt Lake City 1 x Gold (Team) und 1 x Silber (Hannawald). So wie es einst die Ära des Erfolgstrainers Reinhard Heß gab, hat nun Werner Schuster eine neue Ära geprägt.

Die große Leistung des 48-jährigen Kleinwalsertalers bestand auch darin, dass er die große Wende zum Besseren in vielen kleinen Schritten realisierte. Es gab immer wieder Rückschläge, doch er brachte es – dank Unverdrossenheit, akribischer Arbeit und auch strategischer Weitsicht – fertig, dass die Grundtendenz stets nach oben wies. Schon der Team-Olympiasieg 2014 war als Meisterwerk zu betrachten. Die Spiele in Südkorea, bei denen mit Severin Freund, Weltmeister 2015, sogar einer der Besten fehlte, war die Krönung.

Der Vertrag des so verdienstvollen Coaches läuft 2019 aus. Und es ist legitim, dass er bereits jetzt ein wenig pokert. In Pyeongchang ließ er offen, wie es mit ihm weitergeht. Der Deutsche Ski-Verband sollte sich also genau überlegen, wie viel wert ihm Schuster und damit auch die prominente Sparte Skisprung ist. Allzu viel Zeit lassen sollte man sich nicht. Bei den Österreichern, einst Branchenführer und nun im Teamspringen fast 100 Punkte hinter Deutschland, herrscht derzeit großer Katzenjammer. Einen wie ihren Landsmann Schuster würden die wohl mit Handkuss nehmen.

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