11 –7 –5 steht neben „Deutschland“ im Medaillenspiegel. Die Reporter aus Pyeongchang sind im Dauer-Erregungs- und Jubel-Modus. Mir ist das zu laut, und die Häufung von Medaillen ist mir zu viel. Ich kann mir jetzt schon nicht mehr merken, in welchen Rennen Laura Dahlmeier was gewonnen hat. Ich stelle mir die Frage: Ist der Laura-Hype vergleichbar mit der Rosi-Mittermaier-Begeisterung von 1976? Meine Antwort: natürlich nicht.
Meine ersten bewusst miterlebten Winterspiele waren die von Sapporo 1972. Ausbeute: 3 – 1 – 1. Aus heutiger Sicht dramatisch schlecht. Aber: Alle (West-)Sieger (die aus dem Osten haben uns nicht interessiert) behielten wir in ewiger und ehrender Erinnerung. Eisschnelläufer Erhard Keller: ein Mythos (auch weil er später im Fernsehen „Spiel ohne Grenzen“ moderierte). Seine Kufen-Kollegin Monika Pflug – trotz wechselnder Nachnamen (Holzner, Gawenus) für immer unsere Gold-Moni. Und im Zweierbob Zimmerer/Utzschneider vor Floth/Bader – Legenden!
Mir sind noch Sachen geläufig wie 1976 das Nordische-Kombinations-Silber für Urban Hettich (niemand sonst auf der Welt hieß mit Vornamen Urban), und trotz späterer Koryphäen wie den Damen Otto, Kraushaar, Niedernhuber, Geisenberger, Hüfner wird es nie wieder eine Rodlerin wie Betty Demleitner mit der Pracht ihrer 90 Kilo geben. Bananen-Betty genannt – wegen des futuristischen Helms. Bronze ’76 – es glänzte golden.
Und 1984, wer war da unser Superstar? Biathlet Peter Angerer. Seine Bilanz: 1 – 1 – 1 (Bronze mit der Staffel). Die des Gesamt-Olympia-Teams: 2 – 1 – 1. Das zweite Gold kam vom Rodel-Doppelsitzer Stanggassinger/Wembacher, den Nachfolgern von Brandner/Schwarm. Namen, die Begriffe blieben. Es hat nicht täglich mehrere Medaillen gegeben, sondern alle paar Tage eine. Wir hatten immer ein leichtes, angenehmes Hungergefühl. Günter Klein