Pyeongchang – Arnd Peiffer zeigte sich untröstlich. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht und es tut mir wahnsinnig leid für meine drei Mitstreiter“, sagte der 30-Jährige Biathlet mit tieftrauriger Miene: „Ich habe es vergeigt, sowohl auf der Strecke als auch am Schießstand.“ Allerdings dauerte es nach dem Rennen über eine halbe Stunde, ehe endgültig feststand, dass der deutschen Mixed-Staffel nicht nur das mögliche Gold verloren gegangen war, sondern am Ende auch noch die Bronzemedaille. Das DSV-Team hatte Protest eingelegt, weil im Finish Dominik Windisch (Italien) seinem Widersacher Peiffer in die Quere kam. Es gab hitzige Wortgefechte im Athletenlager, und auch die Jury brauchte ihre Zeit, um die Entscheidung auszudiskutieren. Sie lautete: Bronze für Italien.
Arnd Peiffer, für den diese Winterspiele mit einem Olympiasieg so triumphal begonnen hatten, erlebte somit den wohl schwärzesten Abend seiner Biathlon-Karriere. Mit über einer halben Minute Vorsprung auf die Verfolger Frankreich und Norwegen war er als Schlussläufer auf die Strecke gegangen, eine stabile Vorstellung am Schießstand hätte gereicht, um Gold sicherzustellen. Doch Peiffer, der erst kurzfristig für den erkrankten Simon Schempp ins Quartett gerutscht war, verspielte schon im Liegendschießen mit zwei Nachladern seinen Bonus.
Den Stehendanschlag erreichte er immerhin noch knapp hinter dem an die Spitze gestürmten Martin Fourcade. Doch Peiffer, der eigentlich als Mr. Zuverlässig gilt, patzte nun sogar noch schlimmer und musste in die Strafrunde. Und auch auf der Zielgeraden, wo er sich mit Windisch um Bronze duellierte, hatte der Polizeihauptwachtmeister vom WSV Clausthal-Zellerfeld um 0,3 Sekunden das Nachsehen. Mit hängenden Schultern, die seine unendliche Enttäuschung zeigten, kam er im Zielraum an. Dass auch noch der Protest scheiterte, passte zu seinem Desaster. Gejubelt wurde bei den Franzosen, die Gold errangen; Silber ging an Norwegen.
Lesser: „Das ist eine Disqualifikation“
Allerdings fiel es den deutschen Skijägern schwer, den Schiedsspruch zu akzeptieren. „Das war ein klarer Regelverstoß. Das ist normalerweise eine Disqualifikation“, schimpfte Erik Lesser, „Ich bin einfach nur enttäuscht, dass der Weltverband IBU faire Sportler allein lässt. Die IBU hätte ein paar Eier mehr zeigen müssen.“ Windisch habe er gesagt, „dass ich das gegen mein Verständnis von Sportlichkeit geht.“ Offensichtlich war, dass Italiens Schlussläufer seinem Rivalen Peiffer den Weg abgeschnitten hatte. Die Jury begründete ihren Ratschluss indessen damit, dass der Deutsche seine Geschwindigkeit nicht habe verringern müssen. Peiffer widersprach: „Ich glaube, dass es nicht hundertprozentig fair ablief.“ Den Juryspruch fand er „irgendwie blöd“.
Dabei hatte alles so wunschgemäß begonnen. Die Schlierseerin Vanessa Hinz legte einen Null-Fehler-Auftritt hin und übergab als Zweite (2,2 Sekunden hinter Italien). „Ich habe versucht, dass sich die anderen nach mir richten müssen und nicht umgekehrt,“ sagte sie. Die als Zweite laufende Laura Dahlmeier zeigte sich nach den strapaziösen vier Einzelrennen gut erholt und brachte ihr Team vielversprechend in Führung. Zur Halbzeit waren die Hauptkonkurrenten Italien (29,9 Sekunden zurück), Frankreich (48,9) und Norwegen (1:23,4 Minuten) schon abgehängt. Dahlmeiers dritte Goldmedaille schien greifbar nahe.
Hönig wollte dem schließlich versagenden Peiffer keinen Vorwurf machen: „Zu einer Staffel gehören immer vier. Die ersten drei haben eine Superleistung gebracht. Am Ende zählt die Zeit von vier Leuten und das hat nicht gereicht für eine Medaille.“