Der Streit entzweit auch die Experten. Hat nun der Biathlet Dominik Windisch seinem deutschen Widerpart Arnd Peiffer unfair behindert – oder entsprach dieses so heiß diskutierte Duell um die olympische Bronzemedaille letztlich doch den Vorschriften? So richtig fair sah es jedenfalls nicht aus, als Windisch urplötzlich nach links abbog. Und einiges spricht dafür, dass der entsprechende Paragraf über den Zielsprint zuungunsten der Italiener auszulegen ist. Dass es also wohl Bronze hätte geben müssen für das deutsche Mixed-Quartett.
Allerdings ist das noch nicht die ganze Wahrheit. Ganz offensichtlich lässt das nicht eindeutig durchformulierte Regelwerk des Biathlon-Weltverbandes einen gewissen Interpretationsspielraum zu. Das Finish auf der Zielgeraden führt also gewissermaßen mitunter auch in eine Grauzone, in der einiges möglich ist. Letztlich schwer zu sagen, wo da cleveres Verhalten aufhört und wo die Unfairness anfängt.
Schon bei dem so aufregenden finalen Zweikampf zwischen Martin Fourcade und Simon Schempp im Massenstart-Rennen hatte es seitens des Franzosen einige kurze Abweichungen vom geraden Weg gegeben, die vielen Beobachtern zumindest zweifelhaft erschienen. Fourcade, inzwischen fünffacher Goldmedaillen-Gewinner und damit Frankreichs Rekord-Olympionike, sprach anschließend von „smart moves“, von schlauen Bewegungen. Es gehört eben mitunter auch Gerissenheit dazu, sich in die Erfolgsspur zu manövrieren. Das mag zwar fragwürdig sein – ist aber oft legal.
In Sachen Windisch/Peiffer drängte sich dennoch eher der Eindruck auf, dass Windisch zu weit gegangen ist und die Regeln mit einem Ski übertreten hat. Dass die Jury sich nicht zu einer entsprechenden Ahndung durchringen konnte, hatte wohl auch damit zu tun, dass es bei Olympischen Spielen sehr ungern gesehen wird, wenn Medaillen am grünen Tisch vergeben werden. Es hätte also schon einigen Mutes bedurft, um den umstrittenen Zieleinlauf zu revidieren. Die Jury aber entschied sich da offensichtlich lieber für die nicht ganz so heikle Variante.