Das Team der Superlative will noch mehr

von Redaktion

Es wurde ausgiebig, aber nicht zu viel gefeiert: Heute wollen die deutschen Kombinierer ihren „olympischen Spirit“ im Teamwettbewerb zeigen

VON ARMIN GIBIS

Pyeongchang – Es war schon zwei Uhr nachmittags, als während der Pressekonferenz im Deutschen Haus noch ein Tablett mit Kaffetassen hereingebracht wurde. Ein Extra-Service für die glorreichen deutschen Kombinierer, die kein Geheimnis daraus machten, dass sie eine lange Partynacht hinter sich hatten. „Das waren so viele Emotionen, das war so schön, zusammen zu feiern“, sagte Johannes Rydzek. Sein Teamgefährte Fabian Rießle konnte ihm da nur beipflichten: „Ich hab’ echt wenig geschlafen, ich war so aufgewühlt, ich bin jetzt noch ganz hibbelig.“ Eric Frenzel meinte: „Wir haben diesen unglaublichen Tag sehr genossen.“

Das Trio Rydzek, Rießle und Frenzel war am Vorabend in dieser Reihenfolge jubelnd über den Zielstrich geskatet – und hatte damit für ein Novum gesorgt. Erstmals in der olympischen Geschichte standen drei Kombinierer der gleichen Nation auf dem Podium. „Das ist ein Team der Superlative“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Der Dreifach-Sieg, so betonte der Coach aus Bischofswiesen, habe zwar „richtig toll ausgeschaut, aber das war nicht einfach“. Weinbuch zielte damit auf das eiserne, nicht ganz selbstverständliche Teamwork im Medaillenkampf: „Jeder der Drei konnte Olympiasieger werden, jeder hatte eine hervorragende Ausgangsposition, jeder wollte seine Stärken ausspielen.“

Doch das Trio verbündete sich zur Zweckgemeinschaft, machte gemeinsame Sache und schüttelte im Verbund die Konkurrenz ab. „Das hat uns Trainern auch viel gegeben, ich bin jetzt noch sehr gerührt“, sagte der 57-Jährige, „wenn sich alle Drei so freuen können, dann bist du richtig stolz.“ Rydzek, der Olympiasieger, meinte: „Das war wirklich der olympische Spirit, der da rüber kam. Das war sehr bewegend. Man merkt, dass in dieser Mannschaft jeder mit Herzblut dabei ist.“

Erst auf der Zielgeraden, so Weinbuch, habe das Kommando gegolten: „Feuer frei.“ Rießle bekannte dabei: „Ich habe schon ein bisschen an Sotschi denken müssen.“ Damals war die Konstellation ähnlich, im Finish gab es zwischen Rydzek und Björn Kircheisen einen Crash, am Ende lagen zwei Norweger vorne. „Diesmal waren wir schlauer.“

Dabei hatte es die fast die gesamte Saison über gekriselt im erfolgsverwöhnten deutschen Kombi-Team. „Es lief nicht rund, wir mussten hart an uns arbeiten“, sagte der vierfache Weltmeister Rydzek. Erst ein Trainingslager kurz vor den Spielen brachte die Wende. „Wir sind von hinten gekommen und sind in eine große Form hineingesprungen und gelaufen. Wir konnten das Ruder noch herumreißen. Ein Riesenkompliment an alle, wie sie an sich gearbeitet und an sich geglaubt haben“, erklärte Weinbuch. Gleiches gelte für sein Trainerteam, speziell Ronny Ackermann und Kai Bracht. „Da hat jedes Rädchen ineinandergegriffen.“

Schon vier Medaillen (2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) haben die deutschen Ski-Zweikämpfer auf ihrem Konto. In den heutigen Teamwettbewerb gehen sie als große Favoriten. Weinbuch warnte – wie sollte es für einen Trainer auch anders sein – aber vor zu großer Selbstsicherheit: „Des is koa gmahde Wiesn“, sagte der Oberbayer, „die Norweger haben uns in dieser Saison in jedem Teamevent geschlagen. Das wird kein Selbstläufer.“ Frenzel sah es dennoch ganz entspannt: „Wir können locker und frei in den Wettkampf gehen. So wie uns das Hermann Weinbuch immer rät.“

Egal wie es ausgeht, die Kombinierer haben ihr olympisches Soll bereits übererfüllt. Ein weiteres Glanzstück also auch in der Karriere von Weinbuch, dem erfolgreichsten aktiven Trainer des deutschen Wintersports. Ob das nun nach 22 Jahren ein guter Grund sei, sich zurückzuziehen? Er hatte ja selbst schon anklingen lassen, dass nach der WM 2019 in Seefeld wohl Schluss ist mit dem Cheftrainerdasein. „Das habe ich schon öfter so behauptet“, entgegnete Weinbuch. Wichtig sei ihm da vor allem, was sein Assistent Ackermann (40), einst vierfacher Weltmeister, vorhabe: „Ich könnte sehr gut verstehen, dass Ronny, der hervorragende Arbeit leistet, der Chef sein möchte. Damit hätte ich überhaupt kein Problem. Dann würde ich sofort ins zweite Glied gehen.“ Ob er schon Ackermanns Ziele kenne? Weinbuchs Antwort: „Er sagt: Hermann, mach’ weiter.“

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