Pyeongchang – Der Ärger wollte nicht recht verrauchen. Arnd Peiffer, der sich im Finish der Mixed-Staffel vom Italiener Dominik Windisch behindert fühlte, versuchte auch zu später Stunde noch einmal, die umstrittene Situation haarklein zu analysieren. Aber er kam immer wieder auf das gleiche Ergebnis: „Ich kann die Argumentation der Jury nicht verstehen.“
Für den Schlussläufer des deutschen Quartetts, und nicht nur für ihn, lag ein klarer Regelverstoß des Skijägers aus Bruneck vor. Dennoch wurde der deutsche Protest abgeschmettert und den Italienern die Bronzemedaille zugesprochen. „Dominik ist zwischen zwei Korridoren gelaufen und hat sich dann für den entschieden, der ihm besser passte“, erklärte Peiffer, „die Regel aber ist, dass man sich vorher für einen der drei Korridore entscheiden muss – und in dem bleibt man dann.“ Doch Windisch fuhr mit einem Ski in Peiffers Bahn: „Wenn er nach links oder rechts gelaufen wäre, wäre es okay gewesen. Aber er hat letztlich zwei Korridore blockiert.“
Nach dem Rennen, so Peiffer, habe er den Südtiroler Rivalen zur Rede gestellt: „Ich habe zu Dominik gesagt: Du hast einen guten Job gemacht – aber warum läufst du nicht geradeaus ins Ziel, warum machst du solche Spielchen?“ Windisch habe daraufhin gemeint, das sei seine Strategie gewesen. Peiffer: „Ich habe ihm geantwortet: Das halte ich für eine Scheiß-Strategie.“
Laura Dahlmeier, die ein bärenstarkes Mixed-Rennen gelaufen war, schloss sich Peiffers Einschätzung grundsätzlich an: „Es gibt einfach Regeln, die eingehalten werden müssen. Das war keine astreine Situation. Es bleibt ein fader Beigeschmack.“
Auch am Tag danach machte Frauen-Cheftrainer Gerald Hönig keinen Hehl daraus, dass ihn die Schlussfolgerung der Jury arg wurmte: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Protest berechtigt war, weil eine klare Behinderung vorlag.“ Er räumte zwar ein: „Wir haben nach langem Studium des Regelwerks festgestellt, dass seitens des Weltverbandes IBU eine klarere Definition für das Verhalten im Korridorbereich vorgenommen werden muss. Hier handelt es sich mehr um einen Kaugummi-Paragrafen.“ Das änderte aber nichts an Hönigs Missfallen: „Ich bin etwas enttäuscht, denn ich dachte, die Jury würde eine konsequentere Entscheidung in Richtung Fairness treffen.“
Noch größer als der Groll über die Jury-Entscheidung war bei Peiffer die Enttäuschung über seine Leistung. Schonungslos selbstkritisch erklärte er: „Ich habe es versaut, ich hatte alle Trümpfe in der Hand und habe nichts daraus gemacht.“ Seine Mängelanalyse lautete: „Ich war auf der Strecke schon fest, bin hölzern gelaufen, und ich hatte am Schießstand wahnsinnig viel Bewegung auf dem Gewehrlauf.“ Insgesamt leistete er sich mit zittriger Hand sechs Schießfehler und verpatzte damit die große Chance auf Gold. Peiffer: „Es tut mir wahnsinnig leid für meine drei Mitstreiter, die wirklich einen Superjob gemacht haben.“
Die am Dienstag verpasste siebte Olympia-Medaille für die deutschen Biathleten will heute die Frauenstaffel liefern. „Unsere Messlatte liegt sehr hoch. Unser Ziel ist es, um Gold mitzulaufen“, sagte Hönig. Er setzt dabei auf das Quartett: Franziska Preuß, Denise Herrmann, Franziska Hildebrand, Laura Dahlmeier. Nicht dabei ist Vanessa Hinz, die als Startläuferin der Mixed-Staffel einen Null-Fehler-Auftritt hingelegt hatte. Immerhin bescherte ihr Hönig ein großes Lob: „Vanessa hat gezeigt, dass sie sich im absoluten Weltklassebereich bewegen kann.“
Laura Dahlmeier, wie immer Schlussläuferin, sieht ihre Staffel naturgemäß in einer Favoritenrolle: „Mit uns war in den vergangenen Jahren bei Großereignissen immer zu rechnen.“ Eingedenk von Peiffers Malheur auf der Zielgeraden meinte sie: „Ich hoffe, dass wir das frühzeitig klären werden und es nicht mehr zu solch einer Situation kommen wird.“ Hönig setzte im Hinblick auf ein etwaiges Finish auf Raffinesse: „Vielleicht müssten wir uns da mit mehr Frechheit und ein bisschen mehr am Rande des Reglements bewegen, um uns am Ende durchzusetzen.“