Bremen – Der Bremer Kosten-Hammer schlug in der DFL-Zentrale in Frankfurt/Main mit voller Wucht ein und hat den gesamten Profi-Fußball in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Weil die Deutsche Fußball Liga sich nun doch an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligen soll, fährt die Branche alle Geschütze auf.
Kaum hatte das Bremer Oberverwaltungsgericht sein möglicherweise weitreichendes Urteil gesprochen, kündigte die DFL Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an. DFL-Präsident Reinhard Rauball geißelte die Bewertung der Richter „bei allem Respekt“ als „unzutreffend“. Der Fußball sei „nicht Verursacher von Gewalt, und eine bloße Umverteilung von Kosten führt nicht zur notwendigen Reduzierung der Polizeieinsätze“.
DFB-Chef Reinhard Grindel und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sprangen ihm eiligst zur Seite: „Es bleibt Aufgabe des Staates, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten“, sagte Grindel. Watzke hatte „relativ wenig Verständnis“ für das Urteil. „Ich hoffe, dass das nicht nur auf den Fußball bezogen wird, sondern dass auch alle anderen Volksfeste, alle anderen Aktivitäten anteilig mit Kosten belastet werden“, äußerte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund.
Das Gericht begründete seine Entscheidung gestern damit, dass Fußballspiele auch wegen der Sicherung durch die Polizei wirtschaftlich erfolgreich seien. Für Grindel ist das nicht nachvollziehbar: „Die Spiele in Bremen mit Kostenerstattungsanspruch der Stadt waren alle im Vorfeld ausverkauft. Das Argument des Oberverwaltungsgerichts, die Polizei trage zum wirtschaftlichen Erfolg bei, ist deshalb abwegig.“ In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Bremen der Klage der DFL am 17. Mai 2017 noch stattgegeben und den Bremer Gebührenbescheid von 2015 als rechtswidrig aufgehoben.
Während sich der Fußball um mögliche finanzielle Einschnitte sorgt, hofft die Politik auf ein Urteil mit Signalwirkung. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, der mit einem Gebührenentscheid an die DFL vom 19. April 2015 über rund 425 000 Euro das Verfahren initiiert hatte, bezeichnete die Entscheidung als „wesentlichen Etappensieg“ und Erfolg „auf voller Breite. Alle Argumente der DFL sind hinfällig. Es kann nicht angehen, dass die einen Millionen verdienen im Profifußball und dass die Steuerzahler mit immensen Polizeikosten überzogen werden“.
Der Fall Bremen könnte tatsächlich einen Stein ins Rollen bringen. Sollte das Bundesverwaltungsgericht den Einspruch der DFL abweisen, dürften auch andere Bundesländer Rechnungen gen Frankfurt schicken. Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz, zeigte sich für den Vorstoß aufgeschlossen: „Die zunehmende Wirtschaftskraft der Profivereine und der Deutschen Fußball Liga gibt es durchaus her, dass Klubs und DFL an den Kosten für Hochrisikospiele beteiligt werden.“ In der Ligazentrale sieht man das naturgemäß anders. Allein in der zurückliegenden Saison zahlte der Lizenzfußball 1,17 Milliarden an Steuern und Abgaben. Dies ist nach eigenem Empfinden genug. sid